Die kleine Flatter

Balken beschriften

Da wollte ich endlich mal dran. Wie beschriftet man Balken? Davor? Dahinter? Daneben? Darunter? Darüber? Schau mal.

Der Wert der Banken: Marktkapitalisierung in Milliarden Euro, in Klammern prozentuale Veränderung zwischen 1.2.2009 und 1.2.2010. Quelle: Die Zeit, 04.02.2010, Seite 19.Pro-Kopf-Ausgaben für die Verbraucherzentralen in den Bundesländern, in Cent. Quelle: FAZ, 19.07.2009, Seite 35.
Quelle: Die Zeit, 04.02.2010, Seite 19; FAZ, 19.07.2009, Seite 35.

In der „Zeit“: Namen darüber. Zahl daneben, rechts, geflattert. Geschickt: lange Namen kein Problem. Der ganze Platz ist für die Balken da. Weniger geschickt: die Abstände. Je mehr davon, desto weniger Grafik. Ungeschickt: Die Zahlen verlängern die Balken.

In der „FAZ“: Namen davor. Zahl darin, rechts darin. Geschickt: Durchschnitt dabei. Weniger geschickt: Balkenlänge und Zahl lesen geht auf einmal. Meint man. Ist aber nicht so. Grafik und Zahl wuchern zusammen. Schwer fürs Hirn. Kann man lernen, wenn man’s öfter sieht. Wichtig dabei: genau pixeln. Die Zahlen stehen nicht genau. Und flattern damit zweifach.

Schau mal. Ich hab’s gemalt wie immer. Geht immer. Klare Sache. Jedes Ding hat seinen Platz. Zahlen wie Grafiken.

Grafische Tabelle: Marktkapitalisierung von Banken in Milliarden Euro, in Klammern prozentuale Veränderung zwischen 1.2.2009 und 1.2.2010.Grafische Tabelle: Pro-Kopf-Ausgaben für die Verbraucherzentralen in den Bundesländern, in Cent.
Redesign: ich.

Der Tod steht ihr nicht gut

Lustig nicht für Drama

Hingucker machen ist erlaubt. Aus Daten Grafiken machen: sowieso. Aus Daten Hingucker machen: muss man können. Geschmack hilft. Und Pietät.

Die fünf häufigsten Todesursachen innerhalb eines Jahres, in Ländern mit niedrigem Einkommen und Ländern mit höherem. - Quelle: Die Zeit, Nr. 45, 29.09.2009, S. 34.
Quelle: Die Zeit, Nr. 45, 29.09.2009, S. 34. Klick zum Vergrößern.

Der Text zur Grafik will, dass wir uns um Kranke kümmern. Auch in armen Ländern. Aus Krankheit wird Clipart. Aus Kranken werden Schwell‑ und Schrumpfmännle. Rot und glänzend. Kreuze als Schatten.

Jugendstil für Daten?

Lustig nicht für Drama

Du liebe Zeit. Das hab ich nicht gemeint. Mein Handkritzel-Design war aus der Not geboren. Eures ist mit Anlauf.

Das Lehrstellen-Drama: Die Zahl der Ausbildungsplätze sinkt; Differenz gegenüber dem jeweiligen Vorjahr. - Quelle: DIE ZEIT 19/2009 vom 30.04.2009Die Milliarden-Lücke: Kranken- und Pflegeversicherung, Rentenversicherung, Arbeitslosenversicherung. - Quelle: DIE ZEIT 20/2009 vom 07.05.2009Der Vertrauensbonus: Welches europäische Land hat Ihrer Meinung nach die besten Voraussetzungen, um aus der Krise herauszukommen? - Quelle: DIE ZEIT 25/2009 vom 10.06.2009

Dreimal Krikelkrakel aus der ZEIT. Soll man wohl nicht wichtig nehmen?
Quelle: DIE ZEIT Nr. 19 vom 30.04., Nr. 20 vom 07.05., Nr. 25 vom 10.06.2009.

Lustig: Wir nehmen den Computer, damit es aussieht wie von Hand. Sogar die Handschrift ist eine Computerschrift.

Für mich signalisiert handgemalt und handgeschrieben: Liebesbrief. Poesiealbum. Kinderbuch.
ABC-Schütze. Einkaufsliste. Entwurf. Skizze. Urlaubsgruß. Notiz. Also eher: Vorläufig. Eilig. Unfertig. Nebenbei. Grob. Ungenau. Vielleicht fehlerhaft. Ungeprüft. Einmalig. Spontan. Und jung.

Alle wollen jung. Mir egal. Daten nicht. Und entstapelt gehört die Grafik auch.

Barack Obama braucht einen Labrador

Heute muss ich Barack beraten. Er nimmt einen Hund mit ins weiße Haus. Er weiß noch nicht, welchen. Die beste Wahl: ein Labrador.

Barney, der Terrier von George W., hat eine eigene Website. Das intelligenteste, was er bisher gesagt hat: „Bark, bark, bark. Woof, woof. Rowf. Arf.“

Also: kein Terrier.

Labradore haben das Weiße Haus bereits erfolgreich geleitet: Bills Hund Buddy vertrieb die Katze Socks, fraß einem Reporter die Donuts weg und warf den Präsidenten um. Buddy kam später unter die Räder. Sein Nachfolger, Seamus: ein Labrador.

Labrador saves White House
Buddy verteidigt das Oval Office.

Labradore gehen gerne spazieren. Barack rettet bis zum Frühjahr die Welt. Dann hat er viel Zeit.

36 cm Augenweitsprung

Kennzahl vertikal

Richtig ist: alle Daten innerhalb der Augenspanne.

Falsch ist: Daten so breit wie die Augenspanne. So wie regelmäßig auf der Seite „Finanzen“ der Zeit.

Die ZEIT vom 12.06.2008, S. 30
Quelle: Die Zeit, Nr. 25, 12.06.2008, Seite 30.

Die paar Werte hätten leicht auf weniger Zeitung gepasst. Untereinander hätte man sie vergleichen können. Und sortiert wäre auch schön. Dann wär’s Hirnjogging und nicht Augenweitsprung. So zum Beispiel:

So hätte ich das gemalt

Wo ist Neukaledonien gleich noch?

Erkläre, wo Neukaledonien liegt

Bald geht es in die Ferien. Wir nehmen eine Landkarte mit. Landkarten zeigen woher, wohin, wie lang, wie weit, wie bergig, an was dran, wo kann man schwimmen, übernachten, tanken. Wo macht der Lothar Matthäus jetzt Fußball. Die Tour de France geht nicht rundrum. Wo der Robert, Nick, Nico, Timo, Sebastian 320 km/h fahren. Wo das neue Öl ist.

Klassiker sind das hier: Netanya? Neukaledonien? Wo war das noch gleich?

Israel, Neukaledonien
Quelle: Welt am Sonntag, Nr. 27, 06.07.2008, Seite 19 und 77.

Geht ohne Karte nicht: wo bis wo? Chic: das Wann ist auch da.

Tour de France
Quelle: Welt am Sonntag Nr. 27, 06.07.2008, Seite 21.

So viele Elemente wie Variablen. Gut.

Hockenheimring
Quelle: Motorsport Total.

Sobald Zahlen rein sollen, wird es schwierig. Weil Fläche und Wert sich nicht gut vertragen. Gerade noch so geht diese Darstellung. Für das Rennen Obama gegen McCain. Hatte er schon mal drüber gesprochen. Unklar bleibt: Wie viele Staaten? Wie viele Wahlmänner?

Swing States
Quelle: Welt am Sonntag, Nr. 23, 08.06.2008, Seite 2.

Mein Tipp: Zeig auf der Karte, wo. Zeig in einer Tabelle, wie viel. Dann geht nix schief. Zum Beispiel so. Alt, neu, wo, wer noch. Man vergleicht und analysiert. Schön.

Länder mit den größten nachgewiesenen Ölreserven
Quelle: Die ZEIT, Nr. 25, 12.06.2008, Seite 21.

Auf keinen Fall: Firlefanz in die Karte. Das macht alles kaputt. Bis ich gemerkt habe, was die gelben Dinger sollen! Meine Güte. Weizenfelder? Wüsten? Nein. Das Symbol für Radioaktivität. Atomunfälle? Verstrahlte Gebiete? Nein. Deko.

Der iranische Atomkomplex
Quelle: Die ZEIT, Nr. 29, 10.07.2008, Seite 6.

Die gute alte Zeit

Schneide Säulen nicht die Füße ab

Wegen Excel schneiden viele ihren Säulen die Füße ab. Und landen in der Grafikhölle. Denn wer schneidet, verzerrt. Wer verzerrt, lügt. Zumindest grafisch. Weil dann die grafische Veränderung nicht mehr proportional zur Wertveränderung ist. Er erklärt das ganz gut anhand eines grafischen Totalschadens in der SportAuto. Ich habe heute ein Beispiel, wie es richtig geht. Aus der Zeit. Die auch manchmal daneben langt.

Die Post streikt – gute Grafiken
Quelle: Die ZEIT, 30.04.2008, Seite 37

Alle meine Regeln sind eingehalten: Zeit läuft von links nach rechts. Die Skala beginnt bei Null. Die Grafik ist proportional zu den Werten. Nichts ist dramatisiert. Kein Schnickschnack. Kein siebenfaches Prozentzeichen. Briefe in Milliarden und nicht in Stück.

In der gleichen Ausgabe noch eine gute Grafik. Strukturen von oben nach unten. Beschriftung, wo sie hingehört: direkt an den Säulen. Zumindest für die Werte. Die „anderen“ hätte ich weggelassen. Die Pünktchen auch.

Die Nachfrage steigt – noch eine gute Grafik
Quelle: Die ZEIT, 30.04.2008, Seite 78.

Übrigens: Bei Liniengrafiken ist alles anders.

Bei Rot Gas geben

Signal immer mit Zahl

Managen ist schwierig. Der Chef muss alles gleichzeitig im Blick behalten. Am
liebsten wüsste er, dass alles in Ordnung ist. Aber wann ist alles in Ordnung?

100 Prozent in Ordnung

Petra sagt:
Ampel auf Rot heißt anhalten. Petra ist Pharma-Chefin. In der Schweiz. Im Vertrieb. Sie will nicht, dass bei ihr jemand anhält, weil die Ampel rot ist. Genau im Gegenteil. Die sollen Gas geben. Und wenn die Ampel grün ist? Wieder umgekehrt: nicht zurücklehnen. Sondern fragen, ob mehr gegangen wäre.

Petra mag keine Ampeln. Sie mag überhaupt nichts entziffern. Sie will Zahlen. Dicht und auf einen Blick. Farbfernsehen hat sie schon. Zu Hause.