Kreise wegen Silberblick

Grafisch tabellieren

Die Welt hat eine Grafische Tabelle gemalt. Die SZ malt jeden Tag welche. Aber mit Asche. Schau mal.


Quelle: Die Welt, 24.10.2012, Seite 13.

Sonst schimpfe ich sehr sehr sehr oft, wenn die Welt was malt. Heute finde ich es chic. Sieben Spalten mit Zahlen. Fünf davon mit Balken. Schön dicht. Viel zu gucken. Alles drin. Wobei, schau nochmal hin.

Die Balken könnten breiter sein. Da wäre noch Platz. Dann wäre mehr Unterschied.

Die Streifen sind doof. Die dürfen ganz selten in Tabellen. Die Kreise sind döfer. Die dürfen nur in Kreuztabellen. Hier nicht: Passen nicht in die Zelle. Liegen übereinander. Kann man schlecht vergleichen.

Schau nochmal hin. Als Balken würden die Kreise aussehen wie die Balken für Gramm. Also zweimal die gleiche Grafik in zwei Spalten. Merke: Wenn was doppelt ist, kannst du eins weglassen.

Verdunkeln erhellt

Schatten betont gut

Letztes Mal: Schädliche Schatten. Heute: Erhellende Schatten. Manchmal ist eine Spalte wichtiger als die anderen. Dann will man sie hervorheben. Mit Schatten geht das. So wie hier.

The rest of Europe's blue chips. - Quelle: Wall Street Journal, 30.11.2010, Seite 25.
Quelle: Wall Street Journal, 30.11.2010, Seite 25.

Schatten verringern den Kontrast. Manchmal braucht man deswegen noch fett. Oder man differenziert. Schatten und fett: ganz wichtig. Schatten ohne fett: fast ganz wichtig. So wie hier.

DJIA component stocks. - Quelle: Wall Street Journal, 30.11.2010, Seite 25.
Quelle: auch da.

Schatten kann schaden

Schatten gruppiert schlecht

Ich mag Zahlen. Und Tabellen. Und Zahlen mögen Tabellen auch. Ein Diagramm muss erst mal beweisen, dass es besser ist.

Manche Tabellen sehen aber aus wie Tigerente. Die Streifen gruppieren. Der Kontrast ändert sich. Die Lesbarkeit leidet. Das Verständnis auch. Die paar Zahlen hätten weder Tiger noch Ente gebraucht.

Capital expenditure. - Quelle: Financial Times, 23.08.2010, Seite 2.
Quelle: Financial Times, 23.08.2010, Seite 2.

Hier hat man viele Spalten. Trennen muss man. Das Auge kann sonst aus der Zeile fallen. Der Schatten ist hübsch. Aber gruppiert wieder. Und macht es schlechter lesbar. Der Schatten ist gut für Betonung. Nicht für Trennung.

EURO STOXX 50. - Quelle: Neue Zürcher Zeitung, Nr. 261, 09.11.2010, Seite 36.
Quelle: Neue Zürcher Zeitung, Nr. 261, 09.11.2010, Seite 36.

Beim Tiger ist schlank besser. Anders als beim Labrador. Nimm dünne Linien nach jeder dritten bis fünften Zeile. Bei breiten Tabellen nach drei. Bei schmalen nach fünf. Dann wird nicht gruppiert, was keine Gruppe ist. Der Kontrast bleibt gleich. Die Lesbarkeit auch.

EURO STOXX. - Quelle: Neue Zürcher Zeitung, Nr. 261, 09.11.2010, Seite 36.
Quelle: Selbe Zeitung. Selbe Seite.

Eine Tabelle mit wenig Spalten braucht gar nichts.

Prime, General und Entry Standard. - Quelle: FAZ, Nr. 59, 11.03.2010, Seite 25.
Quelle: FAZ, Nr. 59, 11.03.2010, Seite 25.

Streifenpolizei

Schatten gruppiert gut

Bei vielen Diagrammen findest Du sich abwechselnde Hintergründe, Farben, Kontraste. Sie sollen trennen, was nebeneinander liegt. Aber sie verbinden, was auseinander liegt. Das Auge fahndet nach Bedeutung.

Das Wall Street Journal will klarmachen: Welche Quartale sind ein Jahr. Das haut hin und ist schick. Aber: Es verbindet 2006 mit 2008 und 2010. Und 2007 mit 2009.

Quarterly change in output per hour at a seasonally adjusted annual rate. - Quelle: Wall Street Journal, 07.05.2010, Seite 9.
Quelle: Wall Street Journal, 07.05.2010, Seite 9.

Die WAMS macht nicht so viel klar. Die Streifen sind CI. Denn: Gestreift wird immer. Manchmal ersetzt es eine Skala. Im Bild rechts ist jeder Streifen fünf breit. Balken und Streifen ergeben Karos. Das ist nicht schick. In den anderen Bildern ist jeder Streifen CI. Und fasst zusammen, was nicht zusammen gehört.

Der Aufstieg der erneuerbaren Energieträger. - Quelle: Welt am Sonntag, 21.02.2010, Seite 25.
Quelle: Welt am Sonntag, 21.02.2010, Seite 25.

Diagramme und CI vertragen sich nicht.

Blamage mit Collage

Bild mag Zahl

Bild und Zahl kann gut sein. Hier geht es um den Stuhl, den man sieht.

Bild und Zahl kann schlecht sein. Der nette Herr könnte auch bei Ford arbeiten. Oder Mercedes. Oder. Oder. Oder.

Bild ohne Zahl kann gut sein. Aha. So sieht es in einem Hackerspace aus. Wusste ich nicht. War da noch nicht.

Bild ohne Zahl kann peinlich sein. Unter dem Bild steht: Budweiser will mehr verkaufen. Ein Barmann schenkt ein Bier ein. In Brüssel. Na sowas.

Quelle: Wall Street Journal Europe, 13.11.2009, Seite W9, Seite 2, Seite 14, Seite 8.

Zebras lassen Augen im Kreis fahren

Schatten verbindet

Heute enden die 24 Stunden von Le Mans. Viele Autos fuhren sehr lange im Kreis herum. Ich auch. Mit den Augen. In der Auto, Motor und Sport (Nummer 13, 5. Juni 2008, Einleger Seite 6–19). Daten zum Audi auf Seite 10. Daten zum Peugeot auf Seite 12. Ich blätter hin, ich blätter her. Dann Pfote drauf und zack, die Tabellen stehen endlich, wo sie hingehören: nebeneinander.

Auto Motor Sport mit Bellas Pfote

Jetzt wurde mir erst recht schwummrig. Zwei Zebras. Eins rennt mit grau los, das andere mit weiß.

Zebra-Darstellung

Das Auge fasst Gleiches zusammen. Es springt von grau zu grau oder von weiß zu weiß. Das Auge vermutet Bedeutung. Da ist aber keine. Davon abgesehen: schlechter Kontrast, schlecht lesbar.

Die Süddeutsche liebt „Bella Reporting Standards“

Muster vor Detail

Die Süddeutsche hat Grafische Tabellen in ihrer Online-Ausgabe. Sie stellt positive und negative Abweichungen in der gleichen Richtung dar. Die bei Bissantz streiten immer darüber. Pro: Die Absolutbeträge lassen sich gut vergleichen. Man spart Platz. Contra: Man muss es erst lernen. Und es funktioniert nur in Farbe.

Zebrastreifen sind Mode. Sie heben hervor. Auch wo nichts hervorzuheben ist. Weg damit. Schlank ist schön. Gilt auch für Balken. Jetzt sind sie 9 Pixel hoch statt 14. Kleiner ist nämlich auch schön. Wie bei Sparklines. Grafiken groß wie Worte. Drum müssen auch Balken nicht größer als Text sein.

Süddeutsche Zeitung - Balkengrafik im Börsenteil

Und Sparklines müssen dazu. Die kann man wie Worte lesen. Komplett, wie ein Muster: „SAP steigt aus dem Tal und marschiert seitwärts.“ Oder Zeichen für Zeichen: „VW fiel, ging seitwärts, stieg schnell, fiel sehr schnell, stieg sehr schnell, fiel wieder, stieg steil und stärker …“. Sparklines liefern Daten, die man anders gar nicht reinbringt. Vorher hatte die Tabelle 20 Werte. Jetzt hat sie 440. Die Datendichte ist 22 Mal höher.

Die Sparklines zeigen die Werte vom 28.12.2007 bis 28.02.2008. Über die Skalierung kann man streiten. Hier zum Beispiel.