Dumm-Chart

Gleicher Unterschied gleicher Winkel

Neulich gelesen. In der Welt. Die macht ihren Lesern Angst. Mit einem Doom Chart. Das ist eine Grafik des Untergangs. Der Aktien. Wie 1929.

Eine denkwĂŒrdige Parallele: Ähnlichkeiten vor dem großen Crash von 1929 und heute sind frappierend. Dow Jones in Punkten. Quelle: welt.de, 18.02.2014.
Quelle: welt.de, 18.02.2014.

Die Welt meint: Da wäre eine Parallele. Weil sie falsch skaliert. Aber: Schau mal die Achsen. Links 200 bis 350. Plus 75 Prozent. Rechts 13.000 bis 16.000. Plus 23 Prozent. Das ist gemein. Oder blöd. Oder beides.

So sieht es richtig skaliert aus.

Vergleichbar skalierte Zeitreihen in DeltaMaster.
Quelle: DeltaMaster, vergleichbare Skalierung.

So geht’s auch. Beide Zeiträume übereinander. Am Anfang beide 100. Auch gut. Sieht man aber die Werte nicht mehr.

Normierte Zeitreihen in DeltaMaster.
Quelle: DeltaMaster, normierte Zeitreihe.

Noch mal Kreis am Stiel

Gleicher Inhalt, gleiche Form

Die Welt hat Kreis am Stiel gemalt. Hat mir keine Ruhe gelassen. Weil: Waren nicht alle Daten drin. Hab ich mal korrigiert.


Quelle: Die Welt vom 10.12.2013, wie letztes Mal. Redesign: ich.

Selbe Form für alle Werte. Schon besser. Trotzdem: Kreis am Stiel find ich auch gut. Kreis auf Stiel finde ich noch besser. So wie bei William*. Weil’s keine Balken sind, darf auch logarithmisch. Jetzt gehören alle Pixel den Unterschieden.


Dieselben Daten als Punktbalken (Dot Plot). Logarithmisch skaliert. Redesign: auch ich.

Noch was hat mir keine Ruhe gelassen: Schulden pro Stadt oder Schulden pro Kopf?


Redesign: wieder ich.

* Cleveland, W. S., The Elements of Graphing Data, Murray Hill 1994.

Kreis am Stiel

Deutsche Städte haben viele Schulden. Sagt die Welt. Schau mal.

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Quelle: Die Welt vom 10.12.2013 (online)

Kreis ist Schulden. Großer roter Kreis ist viele Schulden. Kleiner roter Kreis ist weniger Schulden. Kreis am Stiel ist auch Schulden. Oranger Kreis am langen Stiel ist viele Schulden. Oranger Kreis am kurzen Stil ist weniger Schulden.

Sieht lustig aus. Schaut man hin. Dann stutzt man. Platz 1–4 ist so. Platz 5–15 ist anders. Warum? Wie lange wäre ein Kreis am Stil für 3,2? Er sagt: Warum nicht relativ? Pro Einwohner? Zur Gewerbesteuer?

Quadra-tor-tur

Tonnen und Unzen sind Gewicht

Die Welt hat schon wieder gebacken: angefressene Torten im Quadrat. Schau mal.


Quelle: Die Welt, 17.01.2013, Seite 13.

Tortal listig – ich meine: total lustig.

Schau mal die Achsen: Feinunzen ist Gewicht. Tonnen auch. Deswegen wiegt das deutsche Gold in New York so viel wie in Paris, Frankfurt und London. Deswegen ist die Position auf der X-Achse dieselbe wie auf der Y-Achse. Deswegen liegen die Torten auf einer Diagonalen.

Die Franzosen sollen uns unser Gold wiedergeben. Alles. Deswegen ist der graue Fressrand 0 %, also nicht da.

In der echten Welt ist London noch, wo es hingehört. Paris auch. In der Welt liegt Paris halb in London. Weil die gleiche Skala zweimal da ist.

Die Welt hat schon Torten gebacken, die 120 % und 165 % groß werden können. Dieses Mal hat sie Torten gebacken, die noch mehr können: absolut und relativ, heute und später, Teile von mehreren Torten. Noch nicht kompliziert genug? Schau mal, wo die Ringe anfangen: in Frankfurt und Paris bei 6 Uhr, in New York bei 10 Uhr, in London bei 15:20 Uhr.

So kann man es sagen, wenn man es eilig hat: „In New York, Frankfurt, London und Paris liegen heute 45 %, 31 %, 13 %, 11 % der insgesamt 3391 Tonnen Gold. Im Jahr 2020 sollen es 37 %, 50 %, 13 %, 0 % sein.“

Kreise wegen Silberblick

Grafisch tabellieren

Die Welt hat eine Grafische Tabelle gemalt. Die SZ malt jeden Tag welche. Aber mit Asche. Schau mal.


Quelle: Die Welt, 24.10.2012, Seite 13.

Sonst schimpfe ich sehr sehr sehr oft, wenn die Welt was malt. Heute finde ich es chic. Sieben Spalten mit Zahlen. Fünf davon mit Balken. Schön dicht. Viel zu gucken. Alles drin. Wobei, schau nochmal hin.

Die Balken könnten breiter sein. Da wäre noch Platz. Dann wäre mehr Unterschied.

Die Streifen sind doof. Die dürfen ganz selten in Tabellen. Die Kreise sind döfer. Die dürfen nur in Kreuztabellen. Hier nicht: Passen nicht in die Zelle. Liegen übereinander. Kann man schlecht vergleichen.

Schau nochmal hin. Als Balken würden die Kreise aussehen wie die Balken für Gramm. Also zweimal die gleiche Grafik in zwei Spalten. Merke: Wenn was doppelt ist, kannst du eins weglassen.

Tort-ur des Kreises

Teilchen statt Torte

Die Welt hat wieder gebacken: Kreistorten. Schau mal.

So heizen die Deutschen: Gas, Öl, FernwĂ€rme, Strom, Kohle; in Prozent. Quelle: Die Welt, 17.09.2012, Seite 13.
Quelle: Die Welt, 17.09.2012, Seite 13.

Ich hab eine Pizza wie die Gastorte geschnitten. Alle wollten das blaue Stück. War mir recht. Deswegen:

So rechnet man mit Weltkreisorten

Ich bin dann zu Renato. Eine Pizza holen. So wollte ich sie geschnitten haben.

So sieht eine Welttorte ungeteilt aus

Ich soll nicht so frech sein, haben die zu mir gesagt. Oh.

So habe ich dann gekuckt

Tort-ur

Torte ist ganz oder gar nicht

Torten malen geht oft schief. Er findet das auch und hat ein paar gesammelt. In der Welt gab es eine neue Sorte. Schau mal.


Quelle: Die Welt, 25.04.2012.

Ein Jahr BIP ist eine Torte. Wenn sie Dir nicht gehört, ist sie schwarz. So schwarz wie Wachstum. Oder arbeitslos. Oder teurer. Aber nicht so groß: 85 % Schulden haben, ist wie 5 % mehr Schulden machen. In Frankreich. Wenn Du mehr als ein Jahr BIP schuldest, dann gibt es Kuchen dazu. In Italien.


Quelle: auch da.

In Portugal ist weiß schrumpfen. Schulden plus arbeitslos ist eine Ente. In Griechenland ist noch mehr Schulden und noch mehr arbeitslos ein Pacman. Europa ist lustig.

Kartenspiel

Landkarten fĂŒr Landdaten

Landkarten und Werte ist schwer. Schludrig wird’s zu schwer.

Arbeitslosenquote im MĂ€rz 2012. - Quelle: Die Welt, 30.03.2012, Seite 10.
Quelle: Die Welt, 30.03.2012, Seite 10.

Schau mal die Zahlen: mal in der Säule, mal drüber. Schau mal den Abstand zwischen Säule und Zahl: mal gleich, mal anders, mal Zufall. Schau mal die Zeit: 2012 links, 2011 rechts, rückwärts. Lies mal und mach Dir einen Reim. Das dauert. Augenhüpfburg. Hin und her. Rauf und runter. Schau mal die Karte: Süden ist gut. Westen ist fast gut. Osten ist nicht so gut. Sieht man gut. In einer Karte.

Für die Zahlen besser so:

Arbeitslosenquote im MĂ€rz 2012 als Grafische Tabelle. Von mir.
Grafische Tabelle. Von mir.

Für Zahlen und Geo vielleicht so:

Arbeitslosenquote im MĂ€rz 2012 als Grafische Tabelle und mit Landkarte. Von mir.
Grafische Tabelle. Und Landkarte. Beides von mir.

Lasagne statt Spaghetti?

StapellĂŒcken statt Stapellagen

Weißt Du noch, die Autofarben? Mit der Spaghettigrafik? Die Spaghetti haben wir gekachelt. Und nachgekachelt. Heute machen wir Lasagne draus.

Neuzulassungen nach Farben (in Prozent) als Stapeldiagramm.
Pkw-Neuzulassungen nach Farben, in Prozent.

Was sehen wir? Auf den ersten Blick: Blau, Grau, Grün, Schwarz, Weiß – gehen alle am Ende runter. Auf den zweiten Blick: Man braucht einen dritten Blick. Oder entstapelte Stapel.

Neuzulassungen nach Farben (in Prozent) als einzelne SĂ€ulenreihen, ohne Stapel.

Stapeln kann Richtung ändern. Schlimm. Senkrechte Zahlen sind nicht so schlimm.

Sternhagelvoll

Symbole nicht halbieren

Die Welt hat ein Bild gemalt. Aus 100 eBay-Sternen. 23 sind gefüllt, 77 leer. Ein Stern ist 10 Prozent. 10 Sterne sind 100 Prozent. Einen Stern kann man füllen. Jeder Stern hat 5 Zacken. 2 Zacken sind so 4 Prozent. 10 Werte sollten gesternt werden. Der Größte ist 28 Prozent. Also so 3 Sterne. Zu kompliziert? Der Welt auch. Für 20, 19, 18, 17, 15: einfach 2 Sterne ganz ausmalen.

Jeder fĂŒnfte Deutsche verkauft Waren oder Dienstleistungen im Internet. - Quelle: Die Welt, 10.04.2012, Seite 13.
Quelle: Die Welt, 10.04.2012, Seite 13.

Zeigen, wo die 100 Prozent ist? Nein. Weil die nie vorkommt. Nicht mal nahe dran. Kann gar nicht vorkommen. Weil nicht mal alle Dänen nur in eBay wohnen.

In Sterne zerlegen und dann Sterne füllen? Nein. Wenn Du zerlegst, dann nur in Ganze. Wenn Du füllst, dann nur Ganzes. Also Punktstapel, Strichsäulen, Strichbalken oder Füllgrafik.

Auf 70 Sterne starren? Nein. Alle Sterne wertlos. Weil ohne Wert.

Ganze Breite dreimal breiter als gefüllte Breite? Nein.

Schiefes stapeln und schief füllen? Nochmal nein.

Ist das die schlimmste Grafik der Welt? Oder die? Steht in den Sternen.

Wenn Du kein Sterntaler sein willst: 10 Werte zeigen geht gut mit 10 Balken. Fand man beim BITKOM auch.


Quelle: BITKOM.

Nachgekachelt

Dynamik vor Niveau

Noch mal die bunten Autos. Wer hat es gemerkt? Die Werte waren nicht nur verwickelt. Sondern auch falsch skaliert. Braun stieg am stärksten. Hat man nicht gesehen. Weil: Die Werte sind sehr verschieden. Braun ist klein. Grau ist groß. Da braucht es Logarithmus. Logo.

Pkw-Neuzulassungen nach Farben, Spaghetti-Diagramm, logarithmisch skaliert

Besser, aber durcheinander. Nochmal kacheln? So wie letztes Mal? Klar. Kacheln kann man auch logarithmisch. Und vergleichbar. Dann sieht es so aus.

Pkw-Neuzulassungen nach Farben, Small Multiples, vergleichbar logarithmisch skaliert

Nachteil: Das Niveau geht verloren. Braun wächst stark, bleibt aber klein. Leider gilt: Gut lesbar, richtig skaliert, Niveau gezeigt und Dynamik richtig – kriegt man nicht in eine Darstellung. Darum immer wieder gut: Niveau mit Balken, Dynamik mit Säulen.

Pkw-Neuzulassungen nach Farben, Grafische Tabelle mit Sparklines

Kacheln statt Spaghetti

Nebeneinander statt durcheinander

Die Welt verwickelt Entwicklungen. Von Autofarben. Ganz schön spaghetti.

Neuzulassungen nach Farben. Quelle: Die Welt, 27.11.2011, Seite 99.
Neuzulassungen nach Farben. Quelle: Die Welt, 27.11.2011, Seite 99.

Sachen nebeneinander zeigen ist gut. Wenn nebeneinander übereinander ist, wird es durcheinander. Und schlecht. Dann muss es auseinander. So zum Beispiel.

Neuzulassungen nach Farben als Small Multiple.
Redesign als Small Multiple. Von mir.

Kein Durcheinander mehr. Die großen gut zu sehen. Aber: Die kleinen immer noch nicht. Muss ich drüber nachdenken.

Säulenkreisliniert

Gleicher Inhalt, gleiche Form

Die Welt ist bunt. Die WELT ist mir manchmal zu bunt. Dreimal von Prozent zu Prozent. Dreimal verschieden gemalt. Dreimal neu gelernt.

Erste Spalte: Kreise. Von groß nach klein ist schlecht. Hell ist jetzt. Dunkel nächstes Jahr. Kreis ist Wachstum? Hm.

Zweite Spalte: Säulen. Hängend. Von kurz nach lang ist schlecht. Einverstanden. Dunkel ist jetzt. Hell ist nächstes Jahr. Hm.

Dritte Spalte: Linien. Von niedrig nach hoch ist schlecht. Nicht einverstanden. Umdrehen.

Euro-LĂ€nder unter Druck: Wirtschafts- und Defizitentwicklung (BIP-Wachstum, Jahresdefizit, Schuldenstand).Quelle: Die Welt, 07.12.2011, Seite 5.
Quelle: Die Welt, 07.12.2011, Seite 5. Klick zum Vergrößern.

Paar Fehler hat’s auch. Kreise Portugal. Linie Finnland.

Problem war: Skalen für –5,5 bis +8 und –10,3 bis +0,8 und 5,8 bis 198,3. Über alles skalieren? Geht nicht. Groß quetscht Klein klein. Einzeln skalieren? Wie? Mit Säulen? Dann sieht alles gleich aus. Gegangen wär’s mit Linien. Wie in der rechten Spalte. Einmal gelernt. Dreimal verstanden.

Daxbau

Dreieck statt Pfeil

Börse in der Tageszeitung ist schwierig. Weil: Die Werte sind von gestern. Heute gibt’s neue. Morgen auch. Was ist wichtig? Stimmung? Von gestern? Genauer Stand? Veränderung? Absolut? Relativ? Trend?

Ich hab die Titel-Daxe gelesen. In allen Tageszeitungen. Die FAZ hat keinen. Bei der FTD, der NZZ, den NN, der NZ und der RP: Trendpfeile. Für vorgestern auf gestern. Mei. Die FTD und die NN hab ich schon geschimpft. Die NN und die NZ zeigen Veränderungen nur absolut. Schlecht vergleichbar.

Financial Times Deutschland Neue ZĂŒrcher Zeitung NĂŒrnberger Nachrichten NĂŒrnberger Zeitung Rheinische Post

Dreiecke machen das Handelsblatt, die International Herald Tribune, die SZ, das Wall Street Journal und die Welt. Dreiecke sind besser als Trendpfeile. Weil sie nicht schräg stehen. Und nicht wie Trend tun. Das WSJ lässt die Vorzeichen weg. Auch negative. (Sieht man hier nicht. Aber hier.) Aua.

Handelsblatt International Herald Tribune SĂŒddeutsche Zeitung Wall Street Journal Die Welt

Die größten Dreiecke hat das Handelsblatt. Und die quer. Zum Lesen schlecht. Zum Kapieren, wie die Stimmung gestern war: okay. Das WSJ hat kleine Dreiecke. Zu klein für Stimmung. Und schlecht zu lesen. Die Dreiecke von der Welt sind noch kleiner. Zu klein.

Abbildungen wie im Text von links nach rechts, alle vom 29.11.2011.

Mehr ist weniger

Mal FlÀchen richtig oder gar nicht

Die Welt kompakt malt Italien. Die Fahne wird gelocht. Die Nulllinie abgelegt. Silvio fänd’s toll. Jetzt ist mehr Defizit weniger Fläche. Aber wegen der Fahne wäre er beleidigt.

Staatsfinanzen in Italien: Defizit, Schuldenstand, Ausgaben/Einnahmen des Staates. - Quelle: Welt kompakt, 10.11.2011, Seite 20.
Quelle: Welt kompakt, 10.11.2011, Seite 20.

Wie wär’s besser? Oberhalb auffüllen. Nicht unterhalb. Logisch. Oder: Vorzeichen umdrehen.

Und unten stimmt’s auch nicht. Man müsste zwischen den Linien auffüllen.

Noch besser: Gar nicht auffüllen. Oben nicht. In der Mitte nicht. Unten nicht. Denn: Jetzt werden Flächen verglichen. Die sind unterschiedlich skaliert. Und nicht vergleichbar.