Logarithmuss

Logarithmisch, wenn sehr verschieden

Er hat sich darüber aufgeregt. Weil kein Logarithmus drin ist. Und alles falsch aussieht: Strom steigt stärker als Erdgas. Heizöl explodiert. Falsch. Ich habe es mit Logarithmus gemalt. Erdgas steigt stärker als Strom. Heizöl etwas stärker als Erdgas. Richtig. Weil, von Anfang bis Ende: Erdgas plus 83 Prozent, Strom plus 36 Prozent, Heizöl plus 122 Prozent.

Entwicklung der Preise: Heizöl, Strom, Erdgas. Quelle: Welt am Sonntag, 08.06.2008, Seite 7.Entwicklung der Preise: Heizöl, Strom, Erdgas. Logarithmisch skaliert.
Quelle links: Welt am Sonntag, 08.06.2008, Seite 7. Rechts: mit korrigierter Skala, von mir, gestern.

Zum Trost habe ich ihm eine andere Sonntagszeitung ausgegraben. Wo Logarithmus drin ist. Damit es richtig aussieht. Und man überhaupt was sieht. Ohne Logarithmus wären die Ozeanier flach wie WamS-Gas. Und die Asiaten steil wie WamS‑Öl.


Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 30.10.2011, Seite 67.

Guck mal: Zweimal Knick. Bei (6) und (9). Das gleiche passiert. Für unterschiedlich viele Leute. Fremde kommen. Die Einheimischen werden erst mal krank und umgebracht. Später werden es wieder mehr.

Was man alles und richtig sieht, wenn man alles richtig sieht.

Streifenpolizei

Schatten gruppiert gut

Bei vielen Diagrammen findest Du sich abwechselnde Hintergründe, Farben, Kontraste. Sie sollen trennen, was nebeneinander liegt. Aber sie verbinden, was auseinander liegt. Das Auge fahndet nach Bedeutung.

Das Wall Street Journal will klarmachen: Welche Quartale sind ein Jahr. Das haut hin und ist schick. Aber: Es verbindet 2006 mit 2008 und 2010. Und 2007 mit 2009.

Quarterly change in output per hour at a seasonally adjusted annual rate. - Quelle: Wall Street Journal, 07.05.2010, Seite 9.
Quelle: Wall Street Journal, 07.05.2010, Seite 9.

Die WAMS macht nicht so viel klar. Die Streifen sind CI. Denn: Gestreift wird immer. Manchmal ersetzt es eine Skala. Im Bild rechts ist jeder Streifen fünf breit. Balken und Streifen ergeben Karos. Das ist nicht schick. In den anderen Bildern ist jeder Streifen CI. Und fasst zusammen, was nicht zusammen gehört.

Der Aufstieg der erneuerbaren Energieträger. - Quelle: Welt am Sonntag, 21.02.2010, Seite 25.
Quelle: Welt am Sonntag, 21.02.2010, Seite 25.

Diagramme und CI vertragen sich nicht.

Eine Regel ohne Wenn und Dann

Zeit läuft von links nach rechts

6 Gründe für Urlaub. 2 Jahre. 2 Landesteile. 24 Zahlen. Klingt einfach. Ist es nicht. An diesem Diagramm kann man viel überlegen.

Urlaubsmotive der Deutschen - Quelle: Welt am Sonntag, Nr. 43, 25.10.2009, S. 24
Quelle: Welt am Sonntag, Nr. 43, 25.10.2009, Seite 24.

Nähe verbindet. Die Überschrift verbindet sich mit allen ersten Balken. Sie wird selbst grafisch. Soll sie aber nicht. Sie gilt für vier Balken.

Zeit ist waagrecht. Hatten wir schon. Hier ist Sinken eine Bewegung nach links. Versteht das Auge schwer.

Mann mit Hut. Zwei Männer stehen nebeneinander. Der kleinere trägt Zylinder. Wie klein ist der Kleine? Zahlen rechts am Balken: hier besser nicht.

Farbe gruppiert. In der WAMS alle Werte für 1991 und alle Werte für 2008. Kann gut sein. Hier ist es nicht so gut.

Karos sind out. Streifen im Hintergrund sind lustig. Und schlecht zu lesen.

Das wichtigste aber: Grund, Jahre, Jahresveränderung, Landesteil, Ost-West-Unterschied – alles ist in die Senkrechte gepackt. Das ist zu viel.

Urlaubsmotive der Deutschen - Redesign als Grafische Tabelle
Quelle: DeltaMaster.

Meine Regel: Nutze zwei Blickachsen, senkrecht und waagrecht, wo es hilft. Funktioniert nicht immer. Hier aber ganz gut.

Gestern ist links

Zeit läuft von links nach rechts

Nur in Sanduhren läuft die Zeit von oben nach unten. In Diagrammen nicht. Da läuft Zeit von links nach rechts. Es ist nämlich so. Nimm ein Diagramm mit waagrechter X-Achse und senkrechter Y-Achse. Die unabhängige Variable kommt immer auf die X-Achse. Dann weiß jeder: Die abhängige ist auf der Y-Achse. Das ist sehr praktisch. Wie die meisten Konventionen.

In der WAMS steht die Zeit senkrecht. Nicht schlimm. Aber auch nicht schön.

Milliardengeschäft mit den Mullahs
Quelle: Welt am Sonntag, Nr. 40, 04.10.2009, Seite 36.

Do-it-yourself-Diagramm

Grafisch tabellieren

Zweck einer Datengrafik: Zahlen nachschauen. Unterschiede sehen. Muster erkennen. Mit dem hier geht nur Zahlen nachschauen. Man sieht keine Unterschiede. Man sieht keine Muster.


Quelle: Welt am Sonntag, Nr. 36, 07.09.2008, Seite 39

Unterschiede muss ich mir selbst ausrechnen: Gesamt minus Einzelwert. 42 Mal. Und alles rumdrehen. Weil, die Bewohnertypen gehören in die Spalten. Muster sehe ich am besten grafisch. Also: Balken rein. Zeitung lesen kann ganz schön anstrengend sein.

Wo ist Neukaledonien gleich noch?

Erkläre, wo Neukaledonien liegt

Bald geht es in die Ferien. Wir nehmen eine Landkarte mit. Landkarten zeigen woher, wohin, wie lang, wie weit, wie bergig, an was dran, wo kann man schwimmen, übernachten, tanken. Wo macht der Lothar Matthäus jetzt Fußball. Die Tour de France geht nicht rundrum. Wo der Robert, Nick, Nico, Timo, Sebastian 320 km/h fahren. Wo das neue Öl ist.

Klassiker sind das hier: Netanya? Neukaledonien? Wo war das noch gleich?

Israel, Neukaledonien
Quelle: Welt am Sonntag, Nr. 27, 06.07.2008, Seite 19 und 77.

Geht ohne Karte nicht: wo bis wo? Chic: das Wann ist auch da.

Tour de France
Quelle: Welt am Sonntag Nr. 27, 06.07.2008, Seite 21.

So viele Elemente wie Variablen. Gut.

Hockenheimring
Quelle: Motorsport Total.

Sobald Zahlen rein sollen, wird es schwierig. Weil Fläche und Wert sich nicht gut vertragen. Gerade noch so geht diese Darstellung. Für das Rennen Obama gegen McCain. Hatte er schon mal drüber gesprochen. Unklar bleibt: Wie viele Staaten? Wie viele Wahlmänner?

Swing States
Quelle: Welt am Sonntag, Nr. 23, 08.06.2008, Seite 2.

Mein Tipp: Zeig auf der Karte, wo. Zeig in einer Tabelle, wie viel. Dann geht nix schief. Zum Beispiel so. Alt, neu, wo, wer noch. Man vergleicht und analysiert. Schön.

Länder mit den größten nachgewiesenen Ölreserven
Quelle: Die ZEIT, Nr. 25, 12.06.2008, Seite 21.

Auf keinen Fall: Firlefanz in die Karte. Das macht alles kaputt. Bis ich gemerkt habe, was die gelben Dinger sollen! Meine Güte. Weizenfelder? Wüsten? Nein. Das Symbol für Radioaktivität. Atomunfälle? Verstrahlte Gebiete? Nein. Deko.

Der iranische Atomkomplex
Quelle: Die ZEIT, Nr. 29, 10.07.2008, Seite 6.

Rote Republik, rote Augen

Dunkler statt Farbe

Das Auge kann Farben nicht in eine Rangfolge bringen. Das geht nur mit Farbintensitäten. Deswegen sind die meisten farbigen Grafiken schlecht lesbar. Farbintensitäten brauchen kontinuierliche Merkmale (€, cm, km/h usw.). Eigentlich. Eine Ausnahme: in der WAMS.

Rote Republik
Quelle: Welt am Sonntag, Nr. 11, 16.03.2008, Seite 6.

Die Stärke der Linkspartei ist ein diskretes Merkmal. Dennoch funktioniert hier die Farbintensität. Bravo. Davon abgesehen: schönes Bayern. Die Länder rechts (Sonntagsfrage Landtagswahl) müsste man noch ordnen. Nach dem Anteil der Linkspartei.

Eine Grafik fast ohne Grafik

Landkarten für Landdaten

Schön. Deutschlands Ehen halten wieder länger. Noch schöner: die Grafik der WAMS dazu. Keine Einfärbung der Gebiete. Keine umständliche Legende. Keine 3D-Balken. Kein Chartjunk. Drum herum: keine Kirche. Kein Brautkleid. Keine Anwaltsrobe. Keine Deko. Deutschland liegt flach auf der Erde. Keine Pseudotorte im Weltraum. Die Karte ist eine Karte: Wir sehen, wie es im Süden, Norden, Osten, Westen, in den Flächenländern, in den Stadtstaaten Hamburg, Bremen, Berlin aussieht. Ohne Nachkommastellen. Wie viele Scheidungen es gab. Pro 100 geschlossene Ehen. Mit einer sprechenden Basis.

Ein kleiner Punkt und ein Name. Neustrelitz. Der einzige Ort, der im Text vorkommt. Weil da die Ehen am ehesten halten. Nur 8,5 Scheidungen pro 1000 Einwohner.

Die Landesgrenzen so deutlich wie nötig, so fein wie möglich. Eine dünne, eng stehende Schrift für kompakte Beschriftung. In der Überschrift ein kleines grafisches Schmankerl.

Eine Grafik zu 100 % frei von Firlefanz
Quelle: Welt am Sonntag, Nr. 30, 29.07.2007, Seite 10.

Vorbilder für gute Datengrafiken

Die besten Datengrafiken der Welt haben die New York Times, das Wall Street Journal und die Washington Post. Da sind die Grafiken schnörkellos. Ohne grafischen Firlefanz. Datendicht.

The Washington Post and The Wall Street Journal

Quelle: Wall Street Journal, 21.11.2006.

Nah dran ist die Welt am Sonntag. Nur die Streifen sind nicht so gut. Die verändern den Kontrast. Und damit die Botschaft. Was ist die Botschaft? Ist es in den hellen Bereichen schöner? Mache ich was falsch, wenn ich aus dem Hellen ins Dunkle komme?


Quelle: Welt am Sonntag, Nr. 17, 29.04.2007, Seite 59.

Trotzdem: Danke WAMS! Die meisten anderen finde ich zum Heulen.