Blau, Wau!

Rauf wird’s blau

Früher im Urwald. Als Ihr Menschen so viele Haare hattet wie ich. Rote Beeren zwischen grünen Blättern finden! Ganz schön schwierig für die Augen von Menschen. Im Urwald ist nachmittags gar kein Rot zu sehen. Nur Grün. In verschiedenen Tönen. Rot ist dann eine Art Grün.

Uptick, U.K. GDP, change from previous quarter

Quelle: Wall Street Journal Europe, 15.10.2013, Seite 5.

Blau ist viel leichter für das Auge. Vor allem, wenn Rot in der Nähe ist. Und sieht schöner aus. Darum Blau. Wau!

Lieber früher oben

Früher ist links, nie oben

Zeit läuft von links nach rechts. Text auch. Manchmal stehen Zeit und Text sich im Weg. Dann dreht man dran. Schau mal.

Bild
Quelle: WSJ Europe, 26.04.2013, Seite 32.

Komisch, oder? Erst 2014, dann 2013. Erst später, dann früher. Verdreht statt gedreht.

Bild gedreht
Quelle: WSJ Europe, 26.04.2013, Seite 32 (von mir gedreht).

Komisch, oder? Ich tausch mal die Säulen. Und dreh nochmal.

Bild Säule
Quelle: WSJ Europe, 26.04.2013, Seite 32 (Balken von mir getauscht).

Besser, oder? Zeit läuft von links nach rechts. Und wenn mal nicht: von oben nach unten.

Verschwindex

Index ist Verschwindex

Entwicklungen vergleichen ist schwierig. Indexierung kann helfen. Kann man so oder so ausrechnen. Bei allen gleich: Alles wird mit demselben Zeitpunkt verglichen. Den muss man gut aussuchen. Bei allen gleich: Die Unterschiede am Anfang siehst Du nicht mehr. Kannst Du Dir nicht aussuchen. Also Vorsicht.

Schau mal.

Good, Not Great: Cumulative change in number of jobs. Quelle: Wall Street Journal, 06.01.2012.Engine and Caboose: Percentage change in the ISM manufacturing index vs. NFIB. Quelle: Wall Street Journal, 01.12.2010.
Quelle: Wall Street Journal, links 06.01.2012, rechts 01.12.2010.

Hier hat man so ausgerechnet: Wie weit sind alle Werte vom Januar 2010 (links) und vom Januar 2005 (rechts) weg? In Prozent. Der Anfang ist 0 Prozent. Wie groß waren da die Unterschiede? Sieht man nicht mehr.

Commodity prices, January 6th 2009=100; coffee, orange juice, wheat. Quelle: The Economist, 04.08.2010.
Quelle: The Economist, 04.08.2010.

Hier hat man so ausgerechnet: Alle Werte werden durch Januar 2009 geteilt. Und mit 100 malgenommen. Der Anfang ist 100. Wie groß waren da die Unterschiede? Sieht man nicht mehr.

Slowest Recovery Since the 1960s. Quelle: Heritage Foundation, 30.08.2012.
Quelle: Heritage Foundation, 30.08.2012.

Hier hat man ausgeschnitten und zusammengeklebt. Alle Linien fangen eigentlich woanders an: in den 60ern, 70ern, 80ern usw. In der Grafik fangen alle am gleichen Punkt an. Wie groß waren da die Unterschiede? Sieht man nicht mehr. Passt der Anfang? Invictus meint nein.

Man kann noch mehr mit Index verschwinden lassen: Schau mal bei Paresh. Besser als Verschwindex ist Logarithmus.

Maßmensch

Mensch zum messen

Mensch für Werte ist schwierig. Tranchieren, schrumpfen, amputieren, ballonieren finde ich schlecht. Mensch als Maßstab finde ich gut. Augenhöhe. Kniehoch. Handbreit. Fußbreit. Haaresbreite. Ellenlang. Armlänge. Unser Büroarchitekt sagt zum Beispiel: Meine Hand ist 10 cm breit. Zwischen Daumen und Zeigefinger ist 20 cm. Mein Unterarm ist 30 cm. Mein Fuß auch (mit Schuh). Mein Unterarm mit Ringfinger 45 cm. Meine Arme sind zusammen 180 cm lang. Meine Augen sind 1,75 hoch. Meterstab vergessen? Egal.

Kepler's field of view: This part of the sky can be seen in the evening from the northern hemisphere near the northwestern horizon.
Quelle: Wall Street Journal, 28.01.2011, Seite 11.

Du darfst Mensch verwenden. Immer komplett. Wie er ist. Und darfst dabei raffiniert sein. So wie hier.

Ich bin kniehoch.

Grundlos grundiert

Schwarz auf Weiß

Mein schönes Fell drucken ist schwer. Weil es schwarz ist. Und schwarz drucken ist schwer. Hab ich bei meinem Buch gelernt. Das hat einer gedruckt, der Schwarz besonders gut kann. Weil er sonst Röntgenbilder druckt. Die sind auch ziemlich schwarz.

Meine Anzeige letztens hat wer anders gedruckt. Leider. Und wir haben den Proof vergessen. Leider.

IN GRAPHICS Vol. 3, Berlin 2011, Titelseite.IN GRAPHICS Vol. 3, Berlin 2011, Rückseite.

Deswegen ist die Anzeige „abgesoffen“. So sagen das die Drucker. Wenn’s zu spät ist.
Vielleicht war die Titanic Schuld. Die war vorne drauf.

Das Wall Street Journal hat kein schwarzes Fell. Trotzdem drucken die immer öfter auf Schwarz. Leider. Und saufen damit ab. Leider.

Quelle: Wall Street Journal Europe, 24.02.2012, Seite 1.
Quelle: Wall Street Journal Europe, 24.02.2012, Seite 1.

Merk Dir: Wenn Dein Fell nicht schwarz ist, druck auf Weiß.

Pick nur ein Gramm

Ein Ding, ein Bild

Ich wollte noch was zu Piktogrammen und Schiffen sagen. Erstens: Piktogramme können gut gehen und schiefgehen. Die Schiffe gingen gut. Hab ich schon gesagt. Er auch.

Troubled Waters
Quelle: Wall Street Journal, 17.08.2010, Seite 3.

Zweitens: Warum? Weil sie gut gemalt sind. Schau genau hin.

Das ist ein Frachter. In echt.

Das ist immer noch ein Frachter. Aber ohne Klimbim.

Immer noch ein Frachter.

Und immer noch ein Frachter. Kein Papierschiff. Keine Fähre. Kein Segelboot. So viel Frachter wie nötig. So klein wie möglich. So echt wie nötig. So einfach wie möglich. So geht Piktogramm gut.

Mal Kasten

Spekulieren markieren

In die Zukunft schauen ist schwer. Schau mal: Runter geschätzt, gleich geblieben. Nochmal runter geschätzt, rauf gegangen. Rauf geschätzt, runter gegangen. Runter geschätzt, runter gegangen. Bisserl runter geschätzt, sehr runtergegangen. Und so weiter, rauf und runter.

Economists predict rebound, bot no job growth. - Quelle: Wall Street Journal, 07.02.2003.
Quelle: Wall Street Journal, 07.02.2003.

Darum: immer dazusagen, wenn Du schätzt. Und zwar deutlich. Für deutlich gibt es viele schöne Möglichkeiten.

Drüber malen.

Dran malen.

Ausmalen und dran malen.

Kasten drumherum malen.

Sehr wichtig bei Linien: Wie viele Zeitpunkte hast Du geschätzt?

Und die Krönung: Bandbreite malen.

Also immer markieren. Weil: Unmarkiert spekuliert ist manipuliert.

Japanologisch

Anteil als Anteil

Die Grafik vom letzten Mal ist eine Falle. Weißt Du noch? Japan ist zu alt. Schau noch mal hin. Wenn man Säulen nimmt, darf man nicht logarithmisch. Wenn Werte weit auseinanderliegen, muss man logarithmisch. Und darf keine Säulen nehmen.


Alle Redesigns: ich.

Weniger Jahre hätte auch gereicht. Das Auge muss zwar hüpfen, um die Differenzen zwischen Dunkelgrau und Hellgrau links und Dunkelgrau und Hellgrau rechts zu vergleichen. Geht hier gerade noch so eben.

Gestapelt geht auch. Genauso gut. In dem Fall.

Mit Füllsäulen sieht man die Veränderung des Anteils besonders gut. Aber nur die.

Das erste Redesign gefällt mir am besten.

Untertreibung übertrieben

Anteil als Anteil

Standard & Poor’s gibt Japan schlechtere Noten. AA‑ statt AA. Japan gibt mehr aus, als es verdient. Und ist zu alt. Das soll diese Grafik im Journal zeigen.

Graying population. - Quelle: Wall Street Journal Europe, 28.01.2011, Seite 15.
Quelle: Wall Street Journal Europe, 28.01.2011, Seite 15.

Zähl mal die Pixel. Die alten Japaner werden dreimal so hoch. Alle Japaner nur 20 Prozent höher. Trotzdem sieht beides fast gleich steil aus. Oder flach. Weil: Zwei Entwicklungen vergleichen, ist schwierig. Auf verschiedenen Niveaus ganz schwierig. Das wissen wir schon lange. Und es gilt auch für Anteile.

Hier versteht man, was S&P meint. Weil: Es wird nur der Anteil gezeigt. Verglichen mit anderen Anteilen. Und nicht mit sich selbst.

Proportion of Elderly Population by Country (Aged 65 years and over). - Quelle: Statistics Bureau of Japan (Hrsg.), The Statistical Handbook of Japan 2010,Chapter 2: Population.
Quelle: Statistics Bureau of Japan (Hrsg.), The Statistical Handbook of Japan 2010, Chapter 2: Population. Hier Fünfundsechzigjährige und längerer Zeitraum. Macht aber nix.

Dreiecksbeziehungen

Dreieck statt Pfeil

Rupert lässt im Wall Street Journal Vorzeichen weg. Und malt Dreiecke stattdessen. Rote und grüne. Hatten wir schon. Nicht gut.


Quelle: Wall Street Journal Europe, 25.10.2010, Seite 1.

Am Dreieck liegt es aber nicht. Das kann sehr gut sein. Hier zum Beispiel.


Quelle: International Herald Tribune, 18.12.2010, Seite 1.

Weil: Die Dreiecke stehen untereinander. Man versteht schneller. Sie sind schwarz. Sie bewerten nicht. Die Vorzeichen sind noch da. Sie ersetzen nicht.

Design ist fein.

1 Schiff ist 1 Schiff

Ein Ding, ein Bild

Piktogramme malen ist schwierig. In der Financial Times werden Menschen geviertelt und Arme amputiert. Grässlich. Ein Männle steht für 500 Menschen. Ein loser Arm für 150. Komische Währung.

Oversight overhauled - SEC employees and budget. - Quelle: Financial Times, 27.08.2010, Seite 5.
Quelle: Financial Times, 27.08.2010, Seite 5.

Hier geht es gut. Die Piktogramme sind Schiffe, die von Piraten angegriffen wurden. Grün: Die Piraten wollten das Schiff kapern. Blau: Sie haben es geschafft. Jedes Piktogramm ein Schiff. Genau eins. Und es geht jedes Mal um ein Schiff. Um genau eins. Nicht um mehrere oder Teile. Schiff ist Schiff.

Troubled waters: Attacks on ships in the first half of 2010, by region. - Quelle: Wall Street Journal, 17.08.2010, Seite 3.
Quelle: Wall Street Journal, 17.08.2010, Seite 3. Hab ich von ihm.

Piktogramm geht so: Zähle, was Du zeigen willst. Male, was Du zählen willst. Male eins davon. Einmal je Ding. Wenn’s nicht hinpasst, kein Piktogramm.

Verdunkeln erhellt

Schatten betont gut

Letztes Mal: Schädliche Schatten. Heute: Erhellende Schatten. Manchmal ist eine Spalte wichtiger als die anderen. Dann will man sie hervorheben. Mit Schatten geht das. So wie hier.

The rest of Europe's blue chips. - Quelle: Wall Street Journal, 30.11.2010, Seite 25.
Quelle: Wall Street Journal, 30.11.2010, Seite 25.

Schatten verringern den Kontrast. Manchmal braucht man deswegen noch fett. Oder man differenziert. Schatten und fett: ganz wichtig. Schatten ohne fett: fast ganz wichtig. So wie hier.

DJIA component stocks. - Quelle: Wall Street Journal, 30.11.2010, Seite 25.
Quelle: auch da.

Des einen Grün ist des anderen Rot

Grau statt Rot

Alle Schulkinder lernen: Bei Grün gehen. Bei Rot stehen. Grün ist gut. Rot ist schlecht. Wer sich daran hält, wird seltener überfahren. Ampeln sind eben einfach. Preise nicht. Für die einen ist es gut, wenn Soja und Weizen, Kaffee und Kühe, Aktien und Geld teurer werden. Die anderen finden billiger besser.

Commodities: Prices of future contracts with the most open interest. - Quelle: Wall Street Journal, 27.09.2010, Seite 26.
Quelle: Wall Street Journal, 27.09.2010, Seite 26.

Das Wall Street Journal sah das früher auch so. Bei Rohstoffen, Indizes und Aktien ging der Preis dunkelgrau runter, hellgrau rauf. Konnte man gut unterscheiden und lesen. Seine Meinung hat man sich selbst gebildet. Jetzt sind Rohstoffe und Indizes grün, wenn sie teurer werden. Und rot, wenn sie billiger werden.

Liebe Schulkinder, leider ist die Welt schwieriger als Ampeln. Schaut nach links und rechts, bevor ihr über die Straße geht. Auch wenn die Ampel grün ist. Liebe Grafiker, malt mehr grau.

Major players and benchmarks, StoxxEurope50: Friday's best and worst. - Quelle: Wall Street Journal, 27.09.2010, Seite 25.
Quelle: Wall Street Journal, 27.09.2010, Seite 25.

Streifenpolizei

Schatten gruppiert gut

Bei vielen Diagrammen findest Du sich abwechselnde Hintergründe, Farben, Kontraste. Sie sollen trennen, was nebeneinander liegt. Aber sie verbinden, was auseinander liegt. Das Auge fahndet nach Bedeutung.

Das Wall Street Journal will klarmachen: Welche Quartale sind ein Jahr. Das haut hin und ist schick. Aber: Es verbindet 2006 mit 2008 und 2010. Und 2007 mit 2009.

Quarterly change in output per hour at a seasonally adjusted annual rate. - Quelle: Wall Street Journal, 07.05.2010, Seite 9.
Quelle: Wall Street Journal, 07.05.2010, Seite 9.

Die WAMS macht nicht so viel klar. Die Streifen sind CI. Denn: Gestreift wird immer. Manchmal ersetzt es eine Skala. Im Bild rechts ist jeder Streifen fünf breit. Balken und Streifen ergeben Karos. Das ist nicht schick. In den anderen Bildern ist jeder Streifen CI. Und fasst zusammen, was nicht zusammen gehört.

Der Aufstieg der erneuerbaren Energieträger. - Quelle: Welt am Sonntag, 21.02.2010, Seite 25.
Quelle: Welt am Sonntag, 21.02.2010, Seite 25.

Diagramme und CI vertragen sich nicht.

Stricheleinheiten

Kleine Werte stricheln

Manchmal hat man wenig Daten. Die man an vier Pfoten abzählen kann. Es ist gut, das zu zeigen. Zum Beispiel so wie im Wall Street Journal. Das fragte 52 Ökonomen, woher die nächste Finanzblase kommt. Jede Meinung ist ein Kästchen. Er fand Punktstapel auch gut.

Emerging risk – Responses to the survey question: Please rank the potential asset bubbles from most likely to least likely. - Quelle: Wall Street Journal, 13.11.2009, Seite 9.
Quelle: Wall Street Journal, 13.11.2009, Seite 9.

Schlecht ist, wenn gestrichelt wird, wo nichts zu zählen ist. So wie mit diesen Strichsäulen.

Krisenbewältigung. - Quelle: Handelsblatt, Nr. 240, 11.12.2009, Seite 17.
Quelle: Handelsblatt, Nr. 240, 11.12.2009, Seite 17.