Lieber logisch als modisch

Dreieck meint Achtung, Symbole nicht zu echt

Einfach finde ich gut. Aber nicht einfacher. Einige Verkehrszeichen bei uns wurden neu. Und moderner. Und unlogischer. Weil Details fehlen. Es ist wie bei Schrift. Die ist gut lesbar, wenn sich die Buchstaben in vielen Details unterscheiden.

Zeichen 142: Wildwechsel, alt Zeichen 142: Wildwechsel, neu

Das Reh ist in Ordnung. Es ist nur dicker geworden. Ich finde dicker gut. Es springt immer noch genauso schön. Und genauso hoch. Zack! In die Scheibe. Aufpassen!

Zeichen 151: Unbeschrankter Bahnübergang, alt Zeichen 151: Unbeschrankter Bahnübergang, neu

Im Verkehr ist quer schwer. Der Zug am alten Bahnübergang ist altmodisch. So altmodisch wie das Diskettensymbol fürs Speichern. Der Zug wurde moderner. Aber er kommt auf Dich zu. Schräg von vorn. Springt der ICE jetzt regelmäßig aus den Gleisen? Vor allem am Bahnübergang? Hilfe!

Zeichen 138: Radfahrer kreuzen, alt Zeichen 138: Radfahrer kreuzen, neu

Auch Fahrradfahrer sind quer schwer. Früher. Heute sind Fahrräder gefährlich. Weil sie ohne Licht daher kommen. Ohne Pedale. Ganz allein. Der Fahrer ist schon runtergefallen.

Zeichen 124: Stau, alt Zeichen 124: Stau, neu

Früher wurde vor Stau gewarnt. Viele Autos bremsen. Plötzlich wird’s ganz eng. Heute wird vor Kolonnen gewarnt. Alle dicht hintereinander. Keiner bremst.

Schlimm ist das nicht. Wir werden die neuen Zeichen schon lernen. Ein Vorbild für schlaues Design sind sie nicht. Übrigens: Gutes Design für Verkehrszeichen hat er in Neuseeland gefunden.

Afrika Reporting Standards

Legenden meiden

Ich habe meinen Freund Namib besucht. Er lebt an den Epupa-Fällen. Die liegen im Norden Namibias, an der Grenze zu Angola. Tagsüber hütet er Ziegen. Abends denkt er über Visualisierung nach.

Namib at work The village's soccer stadium Frankfurt, Germany, straight on for 8951 km

Bella, „Selten zum Wohle sind Symbole“, sagst Du. Deswegen sind sie bei uns so analog wie möglich. Man kann sie nicht falsch verstehen:

Elephants might cross anytime Warthogs might cross anytime Springboks might fly over anytime

Unser Design ist schlicht. Organisch. So nah am Gegenstand wie möglich. Links: eine Markierung für Straßenbauer. Mitte: ein Signal, dass dieses Himba-Dorf keine Besucher empfängt. Rechts: Hinweis auf eine Reparaturwerkstatt für Reifen.

Not larger than this Leave us alone Tire Repair Shop in Puros

Wir halten uns an Deine Bella Reporting Standards und beschriften direkt, unmittelbar, schnörkellos:

Find the cash box below the arrow Barber Shop in Opuwo The bigger one of two Shops in Palmwag

Verständnis geht uns vor Schönheit:

Still 36 km of gravel to go Sesfontein Gas Station

Herzlich, Dein Namib

Selten zum Wohle sind Symbole

Symbole meiden

Symbole sind schwierig. Meistens geht es schief. Warum? Manche müssen neu gelernt werden. Das dauert länger, als etwas zu lesen, das man schon kennt – ein Wort zum Beispiel.

Schlechte Symbole machen einen traurig. Der Pfeil da steht am schönen Fluss Saône, im schönen Burgund:

Soll man dem Pfeil nachfahren?
Muss man dem Pfeil nachfahren?
Darf man es, wenn man vorsichtig ist?

Und hier aus dem Spiegel – auweia:


Quelle: Der Spiegel, Nr. 29/2008, 21.07.2008, Seite 65

Auweia weil: Bei ihrer Flagge sind die Amerikaner streng. Zum Beispiel: Wer Präsident werden will, muss sie am Revers haben. Immer. Ich glaube nicht, dass die Reporter vom Spiegel noch in die USA dürfen.

Auch unsere Flagge sieht unverschrumpft und unverdehnt am schönsten aus.

Und das da:


Quelle: Wirtschaftswoche, Nr. 27, 30.06.2008, Seite 104

Immer, wenn wir drei Sterne sehen, heißt das jetzt: der kommt bald in den Dax. Ein Stern heißt: eher nicht. Meint die Wirtschaftswoche. Ich weiß nicht. Ob sich das so durchsetzt?

Daher finde ich, für die meisten Symbole gilt: Einfahrt verboten.