Platz verpatzt

Differenz meinen, Differenz malen

Der Focus hat gezählt: Wie viele kleine Kinder leben in den Städten. Wie viele davon passen in Kitas. Wie viele davon sollten reinpassen. Wie viele passen nicht rein. Oder würden noch reinpassen.

52 deutsche Städte im Kita-Check. Quelle: Focus 23/2013, Seite 33.
Quelle: Focus 23/2013, Seite 33, und focus.de.

Grafische Tabelle finde ich gut. So aber nicht. Zu viel Zebra. Zu viel bunt. Zu viel Augenweitsprung: Guck nach rechts, merk Dir, wie lang Rot ist, guck nach links, zieh Grün von Rot ab, merk Dir das, geh in die nächste Zeile, fang von vorne an, merk Dir das und vergleiche es. Zu schwierig? Finde ich auch.

So geht es: Plätze minus Kinder, geteilt durch Kinder.

Redesign: ich.
Redesign: ich.

Im nächsten Vorjahr

Zeit läuft von links nach rechts

Lera* sagt: Wir Europäer schreiben von links nach rechts. So stellen wir uns auch die Zeit vor. Früher liegt links. Später liegt rechts. Araber schreiben von rechts nach links. Früher liegt rechts. Später liegt links. Aborigines malen. Früher liegt im Osten.

Geschäftsberichte sind für euroarabische Aborigines. Lustig. Manchmal ist früher hinten. Manchmal ist früher vorn. Schau mal:

Daten zur T-Aktie, 2011 und 2010. Quelle: Deutsche Telekom AG, Geschäftsbericht 2011, Seite 46.
Quelle: Deutsche Telekom AG, Geschäftsbericht 2011, Seite 46.

Manche sagen: Wichtig gehört nach vorn. Geschäftsjahr ist wichtig. Also nach vorne. Vorjahr dahinter. Hm.

Finanzdaten der Deutschen Telekom AG für 2011, 2010, 2009, 2008, 2007, 2006 und 2005. Quelle: Deutsche Telekom AG, Geschäftsbericht 2011, Seite U2.
Quelle: auch da, Seite U2.

Mehrere Jahre? Wird auch umgedreht. Miau.

T-Aktie gegen DAX, Dow jones Euro STOXX 50 und Dow Jones STOXX Telecommunications, 1. Jnauar bis 31. Dezember 2011. Quelle: Deutsche Telekom AG, Geschäftsbericht 2011, Seite 48.
Quelle: wieder von da, Seite 48.

Zeitreihe? Wird nicht umgedreht. Sondern: von links nach rechts. Von früher bis später. Wie es sich gehört. Wuff.

Daten zur T-Aktie, 2010 und 2011. Daten: Deutsche Telekom AG, Geschäftsbericht 2011, Seite 46. Redesign: ich.
Redesign: ich.

Vorjahr links, Geschäftsjahr rechts. Funktioniert genauso gut? Nein. Besser. Erst: wie war es. Dann: wie ist es.

Finanzdaten der Deutschen Telekom AG für 2005, 2006, 2007, 2008, 2009, 2010 und 2011. Daten: Deutsche Telekom AG, Geschäftsbericht 2011, Seite U2. Redesign: ich.
Redesign: ich.

Vorjahre links, Geschäftsjahr rechts. Funktioniert genauso gut? Nein. Viel besser. Erst: wie war es. Dann: wie ist es.

Wer so denkt, der sieht auch die Klammern. Bei Veränderung zum Vorjahr. Schöner Trick. Klammer statt Minus. Bist Du drauf reingefallen?

* Boroditsky, Lera: Wie die Sprache das Denken formt. Spektrum der Wissenschaft, April 2012, Seite 31.

Verdunkeln erhellt

Schatten betont gut

Letztes Mal: Schädliche Schatten. Heute: Erhellende Schatten. Manchmal ist eine Spalte wichtiger als die anderen. Dann will man sie hervorheben. Mit Schatten geht das. So wie hier.

The rest of Europe's blue chips. - Quelle: Wall Street Journal, 30.11.2010, Seite 25.
Quelle: Wall Street Journal, 30.11.2010, Seite 25.

Schatten verringern den Kontrast. Manchmal braucht man deswegen noch fett. Oder man differenziert. Schatten und fett: ganz wichtig. Schatten ohne fett: fast ganz wichtig. So wie hier.

DJIA component stocks. - Quelle: Wall Street Journal, 30.11.2010, Seite 25.
Quelle: auch da.

Schatten kann schaden

Schatten gruppiert schlecht

Ich mag Zahlen. Und Tabellen. Und Zahlen mögen Tabellen auch. Ein Diagramm muss erst mal beweisen, dass es besser ist.

Manche Tabellen sehen aber aus wie Tigerente. Die Streifen gruppieren. Der Kontrast ändert sich. Die Lesbarkeit leidet. Das Verständnis auch. Die paar Zahlen hätten weder Tiger noch Ente gebraucht.

Capital expenditure. - Quelle: Financial Times, 23.08.2010, Seite 2.
Quelle: Financial Times, 23.08.2010, Seite 2.

Hier hat man viele Spalten. Trennen muss man. Das Auge kann sonst aus der Zeile fallen. Der Schatten ist hübsch. Aber gruppiert wieder. Und macht es schlechter lesbar. Der Schatten ist gut für Betonung. Nicht für Trennung.

EURO STOXX 50. - Quelle: Neue Zürcher Zeitung, Nr. 261, 09.11.2010, Seite 36.
Quelle: Neue Zürcher Zeitung, Nr. 261, 09.11.2010, Seite 36.

Beim Tiger ist schlank besser. Anders als beim Labrador. Nimm dünne Linien nach jeder dritten bis fünften Zeile. Bei breiten Tabellen nach drei. Bei schmalen nach fünf. Dann wird nicht gruppiert, was keine Gruppe ist. Der Kontrast bleibt gleich. Die Lesbarkeit auch.

EURO STOXX. - Quelle: Neue Zürcher Zeitung, Nr. 261, 09.11.2010, Seite 36.
Quelle: Selbe Zeitung. Selbe Seite.

Eine Tabelle mit wenig Spalten braucht gar nichts.

Prime, General und Entry Standard. - Quelle: FAZ, Nr. 59, 11.03.2010, Seite 25.
Quelle: FAZ, Nr. 59, 11.03.2010, Seite 25.