Aschenblödel

Balken nicht beschneiden

Ich hab mal wieder nachgesehen. Bei der SZ im Börsenteil. Der ist lustig. Schon ziemlich lange. Und immer wieder. Schau mal.


Quelle: SZ vom 15.05.2014. Klick zum Vergrößern: von MDax bzw. von TecDax

Aurubis ist 3,43 nach oben. Und Leoni 4,02. Ein Unterschied von 17 %. Der Balken für Leoni ist aber 58 % länger.

Es geht noch lustiger. Freenet ist 5,35 nach unten. Leoni ist 25 % kleiner. Aber der Balken dafür 12 % länger. So ein Spaß.

Der Spaß kommt vom Abschneiden. Und Asche-dran-kleben. Mal bei 4. Mal bei 11.

Die Sparkasse kann es besser.

Des Kaisers neue Grafik

Fläche, nicht Farbe für klein und groß

Heute gibt es mehr Kaiserschnitte als früher. Viel mehr. Sagt die SZ. Weil ältere Akademikerinnen nicht leiden wollen. Weil Eltern es lustig finden, wenn der Geburtstag der 12.12.12 ist. Und wegen so Sachen. Das ist schlecht, sagt die SZ. Weil das Gehirn noch nicht fertig ist. Schau mal.


Quelle: Süddeutsche Zeitung, 17.03.2014, Seite 16 (online). Habe ich zu einem Stück zusammengesetzt.

Besonders wenige Geburten bekommen einen besonders großen Kreis. Der ist dann rot. Das soll heißen: schlecht, weil weniger Kinder an diesen Tagen auf die Welt kommen, als die Natur will. Besonders viele Geburten bekommen einen besonders großen Kreis. Der ist dann blau. Das soll heißen: schlecht, weil mehr Kinder an diesen Tagen auf die Welt kommen, als die Natur es will.

Kleiner Kreis für wenig, großer Kreis für viel, so hätte ich’s schneller verstanden.

Tortenworte

Lieber zu groß als zu klein

Heute mal was von früher. Eine grafische Tabelle aus der SZ. Von 2005. Umsatz als Balken. Anteil als Torte, fürs wichtigste Produkt.

Biotechnologie: Abhängigkeit von einem Produkt. Quelle: Süddeutsche Zeitung, 15.06.2005, Seite 30.
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 15.06.2005, Seite 30. Klicken zum Vergrößern.

Kleine Grafiken mag ich. Man sagt auch Sparklines, Microcharts oder Wortgrafiken dazu. Schön dramatisch die Balken. Kapiert man sofort. Vergleicht man gern. Schön putzig die Törtchen. Schaut man gern hin, vergleicht man aber nicht so gern. Vielleicht wegen zu klein? Vielleicht, weil man lernen muss: Umsatz ist ein Balken, Umsatz ist eine Torte.

Ich probier mal selber.

Kann man gut lesen und vergleichen. Muss man auch was lernen: Umsatz ist ein Balken, Anteil ist ein Balken.

Kann man gut lesen und vergleichen. Muss man auch was lernen: Umsatz ist ein Balken, Anteil ist ein Füllbalken.

Größere Törtchen. Kann man besser lesen.

Kann man gut lesen. Kann man gut vergleichen. Muss man wenig lernen. Ist halt nicht so putzig.

Asche wird Staub

Brenne Balken nicht die Köpfe ab

Die Süddeutsche malt Grafische Tabellen. Gut. Schon lange. Seit 2007, glaube ich. Jetzt haben die was geändert. Ich bin schnell zum Kiosk. Und hab sie mir angesehen.

Aktienkurse als Grafische Tabelle in der Süddeutschen Zeitung vom 23.10.2008 (oben) und 07.12.2011 (unten).
Aktienkurse in der Süddeutschen Zeitung. Oben 23.10.2008, unten 07.12.2011.
Balken für Vortagesveränderungen.

Die rechten fünf Spalten sind jetzt breiter. Um fünf Ziffern. Es kamen aber keine dazu. Die Spalte für die Grafik ist jetzt schmäler. Und wird noch weniger ausgenutzt.

Ich wollte es genauer wissen und bin ganz nah ran. Aua. Aua. Aua. Aua. Aua. Fünf Mal Aua.

Vergrößerung der Balken für Vortagesveränderungen. Quelle: Süddeutschen Zeitung vom 23.10.2008 (oben) und 07.12.2011 (unten).
Asche statt länger, ab ca. 5 Prozent.
Oben 2008, unten 2011. Darstellung vergrößert.

Erstes Aua: Die SZ schneidet Balken die Köpfe ab. Ab ca. 5 Prozent. Und malt Asche hin. Früher schon. Immer noch. Dann ist 13,86 so groß wie 7,23. Schämt euch.

Zweites Aua: Die Asche macht größere Werte kleiner als kleinere. Die 4,80 wirkt länger als die 6,26.

Drittes Aua: Die neue Asche ist Staub. Abgeschnitten oder nicht? Mit Lupe sieht man es. Ohne nicht.

Balken zur Visualisierung von Vortagesveränderungen von Aktienkursen. Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 23.10.2008 (links) und 07.12.2011 (Mitte), Redesign von Bella.
Ausschnitte von oben. Links 2008, Mitte 2011, rechts: Redesign von mir.

Viertes Aua: Die Balken sind kürzer als sie könnten. Abgeschnitten oder nicht. Früher schon. Immer noch. Und jetzt noch kürzer. Ich hab gescannt. Und Pixel gezählt. Früher gab’s 45 Pixel für 3,4 %. Jetzt gibt es nur noch 25 Pixel dafür.

Fünftes Aua: Richtig wäre einfach. Ich hab’s hingemalt, rechts.

Daxbau

Dreieck statt Pfeil

Börse in der Tageszeitung ist schwierig. Weil: Die Werte sind von gestern. Heute gibt’s neue. Morgen auch. Was ist wichtig? Stimmung? Von gestern? Genauer Stand? Veränderung? Absolut? Relativ? Trend?

Ich hab die Titel-Daxe gelesen. In allen Tageszeitungen. Die FAZ hat keinen. Bei der FTD, der NZZ, den NN, der NZ und der RP: Trendpfeile. Für vorgestern auf gestern. Mei. Die FTD und die NN hab ich schon geschimpft. Die NN und die NZ zeigen Veränderungen nur absolut. Schlecht vergleichbar.

Financial Times Deutschland Neue Zürcher Zeitung Nürnberger Nachrichten Nürnberger Zeitung Rheinische Post

Dreiecke machen das Handelsblatt, die International Herald Tribune, die SZ, das Wall Street Journal und die Welt. Dreiecke sind besser als Trendpfeile. Weil sie nicht schräg stehen. Und nicht wie Trend tun. Das WSJ lässt die Vorzeichen weg. Auch negative. (Sieht man hier nicht. Aber hier.) Aua.

Handelsblatt International Herald Tribune Süddeutsche Zeitung Wall Street Journal Die Welt

Die größten Dreiecke hat das Handelsblatt. Und die quer. Zum Lesen schlecht. Zum Kapieren, wie die Stimmung gestern war: okay. Das WSJ hat kleine Dreiecke. Zu klein für Stimmung. Und schlecht zu lesen. Die Dreiecke von der Welt sind noch kleiner. Zu klein.

Abbildungen wie im Text von links nach rechts, alle vom 29.11.2011.

Relativ gleich

Gleicher Unterschied gleicher Winkel

Unser Auge versteht Linien so: flache Linie = wenig Veränderung. Schräge Linie = mehr Veränderung. Sehr schräge Linie = viel mehr Veränderung.

Hier geht das schief. Man meint nämlich, rechts steigt stärker als links. Ist aber nicht so.

Weil die Skalen willkürlich sind. Und nicht zusammenpassen.

Hier klappt es:

Warum? Weil beide Skalen die gleiche relative Veränderung umfassen:

(12–8)/8 = 0,5. Und (120–80)/80 = 0,5.

Hier klappt es nicht:


Quelle: SZ, Nr. 137, 18.06.2010, Seite 22.

Weil die Skalen willkürlich sind. Und nicht zusammenpassen. Wie jeden Tag in vielen Zeitungen. Zum Beispiel auch in der FTD. Und. Und. Und.

Pizza Sankt Martin

Torten nur für Pizza

Auf Torten hat er schon geschimpft. Ich auch. Aus vielen guten Gründen. Beschriftung schwierig. Flächenvergleich schwierig. Und so weiter. Eigentlich schade. Weil: Die Torte macht sonnenklar, mehr hat man nicht, was man teilen kann. Sie zeigt jedem schnell: Ich bin hundert Prozent. Die kennt man aber selten.

Schön, wenn eine Torte doch mal funktioniert. Wie hier. Weil sie eine Pizza ist.

Wie man eine Pizza gerecht teilt. - Quelle: Süddeutsche Zeitung, Nr. 21, 27.01.2010, Seite 16.
Quelle: Süddeutsche Zeitung, Nr. 21, 27.01.2010, Seite 16. Klick zum Vergrößern.

Die Pizza sieht aus wie ein Diagramm. Ist aber keins. Die Pizza ist nur unbelegt. Salami, Champignons, Tomaten, Käse: spielt hier keine Rolle. Pizza so nah an der Wirklichkeit wie möglich. Aber nicht näher. Und wenn man eine Pizza teilt (falls ich zu langsam war), muss man tatsächlich Flächen schätzen.

Wer Pizza hat, malt Pizza hin. Wer Zahlen hat, lässt es besser sein.

SZ Today

Früher ist links, nie oben

Apropos Medienkompetenz: Mich laust der Löwe. Der Leo von der Süddeutschen hat Breite, Höhe, Position. Bedeutet aber nix. Hundert Prozent können unten in der Mitte stehen. Oder oben in der Mitte. Oder in der Mitte rechts. Bedeutet auch nix.

SZ vom 29.04.2009, S. 31
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 29.04.2009, Seite 31. Klick zum Vergrößern.

Selbe Ausgabe: das Ansteigen der Jahrestemperatur. Dachte ich. Es steigt aber nicht die Temperatur, sondern das Jahr. Unten ist nicht kalt, sondern 1901. Oben ist warm, aber vor allem 2008. Die Temperatur steht neben dem Jahr. Vor allem: Wie es in den anderen Jahren war, sieht man nicht.

SZ vom 29.04.2009, S. 6
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 29.04.2009, Seite 6. Klick zum Vergrößern.

Frustriert wollte ich fernsehen. Half aber nicht. Die Fernsehzeitung war von der falschen Woche. Die Grafiken waren auch nicht besser. Aber auch nicht schlechter. Du liebe Zecke.

TV Today von 11.04.2009, S. 4
Quelle: TV Today, 11.04.2009, Seite 4.

Gute Nachrichten aus der Wall Street

Brenne Balken nicht die Köpfe ab

Das Wall Street Journal (23.10.2008) macht es richtig. Nichts abgeschnitten. Die Royal Bank of Scotland verliert. Fast 14 %. Das sieht man. Die Katastrophe so lang, wie die Spalte breit ist.

Ganz anders hier: Bei der Süddeutschen Zeitung (23.10.2008) verzittern von 50 Stoxx-Balken 29 im Pixel-Nebel.

Denn: Für nervöse Anleger schneidet die Süddeutsche alles über 5 % grundsätzlich ab. Natürlich auch die 15,25 %, die Repsol verloren hat.

Liebe SZ, jetzt habt Ihr doch so schöne Grafische Tabellen. Warum macht Ihr das?

Du sollst nicht kupieren

Säulen nicht wegschneiden, Balken nicht abschneiden

Nochmal. Mein Proportionalitätsgesetz. Die Idee von Balken‑ und Säulengrafiken ist: Wertverhältnisse durch Längenverhältnisse abbilden. Proportional. Proportional. Proportional.

Über Schwindelraster bei Zeitachsen habe ich schon gejault. Die sind Manipulation. Das Beispiel unten ist noch raffinierter. Auf den ersten Blick meint man: So ein netter Mann – sagt dazu, dass er die Daten nicht hatte. Falsch. Er sagt: „Ich nehme Dich auf den Arm, aber ich sag es dazu.“ Die 2001 suggeriert: 2002, 2003, 2004, 2005 waren genauso. Waren sie das?

Umsatzwachstum
Quelle: Euro, Nr. 06/2007, Seite 42.

Das hier ist Howards Regel „Ignore the visual metaphor altogether“ in Aktion: „Ich bring die Daten zwar nicht aufs Papier, aber ich mal sie trotzdem hin.“ Grafik passt nicht aufs Papier? Nimm eine Tabelle.

Kraftwerke
Quelle: Wirtschaftswoche, Nr. 27, 30.06.2008, Seite 82.

Die Süddeutsche finde ich klasse. Sie ist die erste Zeitung mit Grafischen Tabellen im Börsenteil. Online und auf Papier. Und jetzt das. Die absolut spannendste Information, die Ausreißer, die Kracher, die totalen Verlustbringer, das, was man wissen muss: einfach versteckt.

Grafische Tabelle in der SZ
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 16.07.2008.