Drei Mann lang

Schlange statt Zeit

Hat mir ein Freund geschickt: Aus London. Vom Flughafen. Sagt, wie lang du warten musst. An der Sicherheitskontrolle. Schau mal.

How busy is security? London Heathrow, Terminal 5.
London Heathrow, Terminal 5.

South oder North ist gerade gleich lang. Wie lang sind drei Männeken? Weiß man nicht. Trotzdem weiß man mehr als ohne. Gut. Mit Minuten wär’s noch besser.

Daumenkin…oh!

Mensch nicht verdrehen

Selten zum Wohle sind Symbole. Hab ich mal gesagt. Stimmt mal wieder. Schau mal.

Quelle: Auto, Motor und Sport, Nr. 14/2013, Seite 5.
Quelle: Auto, Motor und Sport, Nr. 14/2013, Seite 5.

Daumen rauf ist gut. Daumen runter ist schlecht. Vor allem, wenn Du Gladiator bist. Das versteht man.

Hier bin ich froh, dass ich Pfoten habe. Oben links: eigene linke Hand gemalt. Daumen dreiviertel schräg. Gicht? Dreiviertel gut? Halb gut?

Oben Mitte: eigene rechte Hand gemalt, siebenachtel gerade. Auch Gicht? Fast ganz gut?

Oben rechts: linker Ellbogen auf den Tisch, Schulter nach links, Hand nach unten, Arm verrenken. Achtung! Bandscheiben!

Spaßleins 2.0

Symbole nicht zu echt

Ich hatte das Handelsblatt geschimpft. Vor 2 Jahren. Weil es Spaßleins malt. Das ist Gekritzel, das aussehen will wie Sparklines. Schau mal.


Quelle: handelsblatt.com/4066396, 15.04.2011 (damals).

Jetzt ist es anders. Schau mal.


Quelle: handelsblatt.com/8146214, 30.04.2013.

Kein Gekritzel mehr. Aber immer noch keine Sparkline. Ich pass weiter auf.

Ranking nach Rating

Sortieren kann korrelieren

Die Grafik ist schlecht: Um sie zu verstehen, musste ich den ganzen Artikel lesen. Der war gut: Autobauer sind Banken. Sie geben den Autofahrern Geld. Die kaufen Autos dafür. Die Autobauer haben aber auch kein Geld. Sie leihen es sich bei echten Banken. Die wollen Geld dafür. Von einigen Autobauern viel. Von anderen Autobauern weniger. Wenn S&P drei Mal A sagt, dann weniger. Wenn S&P drei Mal B sagt, dann viel. Die As leihen dann den Autofahrern das Geld billiger. Das finden die Autofahrer gut und kaufen mehr Autos.

Schau mal.

Absatzschwierigkeiten: Autoverkäufe in der EU. Quelle: Handelsblatt, 20.11.2012, Seite 28.
Quelle: Handelsblatt, 20.11.2012, Seite 28.

Warum versteht man die Grafik nicht? Weil nicht nach Rating sortiert ist. Weil Rating blau ist und die Autos auch. Die Autos aber nicht Rating, sondern Absatz sind. Das Auge fragt: Je größer das blaue Auto, desto was sind die roten Balken?

Schau mal.

Absatzschwierigkeiten: Autoverkäufe in der EU. Redesign: ich.
Redesign: ich.

So geht’s. Warum? Weil: Erst sortiert zeigt sich, was korreliert.

Sternhagelvoll

Symbole nicht halbieren

Die Welt hat ein Bild gemalt. Aus 100 eBay-Sternen. 23 sind gefüllt, 77 leer. Ein Stern ist 10 Prozent. 10 Sterne sind 100 Prozent. Einen Stern kann man füllen. Jeder Stern hat 5 Zacken. 2 Zacken sind so 4 Prozent. 10 Werte sollten gesternt werden. Der Größte ist 28 Prozent. Also so 3 Sterne. Zu kompliziert? Der Welt auch. Für 20, 19, 18, 17, 15: einfach 2 Sterne ganz ausmalen.

Jeder fünfte Deutsche verkauft Waren oder Dienstleistungen im Internet. - Quelle: Die Welt, 10.04.2012, Seite 13.
Quelle: Die Welt, 10.04.2012, Seite 13.

Zeigen, wo die 100 Prozent ist? Nein. Weil die nie vorkommt. Nicht mal nahe dran. Kann gar nicht vorkommen. Weil nicht mal alle Dänen nur in eBay wohnen.

In Sterne zerlegen und dann Sterne füllen? Nein. Wenn Du zerlegst, dann nur in Ganze. Wenn Du füllst, dann nur Ganzes. Also Punktstapel, Strichsäulen, Strichbalken oder Füllgrafik.

Auf 70 Sterne starren? Nein. Alle Sterne wertlos. Weil ohne Wert.

Ganze Breite dreimal breiter als gefüllte Breite? Nein.

Schiefes stapeln und schief füllen? Nochmal nein.

Ist das die schlimmste Grafik der Welt? Oder die? Steht in den Sternen.

Wenn Du kein Sterntaler sein willst: 10 Werte zeigen geht gut mit 10 Balken. Fand man beim BITKOM auch.


Quelle: BITKOM.

Pick nur ein Gramm

Ein Ding, ein Bild

Ich wollte noch was zu Piktogrammen und Schiffen sagen. Erstens: Piktogramme können gut gehen und schiefgehen. Die Schiffe gingen gut. Hab ich schon gesagt. Er auch.

Troubled Waters
Quelle: Wall Street Journal, 17.08.2010, Seite 3.

Zweitens: Warum? Weil sie gut gemalt sind. Schau genau hin.

Das ist ein Frachter. In echt.

Das ist immer noch ein Frachter. Aber ohne Klimbim.

Immer noch ein Frachter.

Und immer noch ein Frachter. Kein Papierschiff. Keine Fähre. Kein Segelboot. So viel Frachter wie nötig. So klein wie möglich. So echt wie nötig. So einfach wie möglich. So geht Piktogramm gut.

Spaßleins

Sparklines nur mit Wert

Das Handelsblatt online macht jetzt Sparklines. Eigentlich schön. Wenn’s welche wären.

Quelle: handelsblatt.com/4066396
Linien in den Artikeln des Handelsblatts. Quelle: handelsblatt.com/4066396, 15.04.2011.

Lustig: Die Linie für Bayern München ist der Aktienkurs der Münchener Rück. Und die für Bayer Leverkusen ist BMW.

Quelle: handelsblatt.com/4066396 Quelle: handelsblatt.com/4066396
Die Details zu den Linien. Probier es selbst oder guck Dir die ganze Seite an.

Schade: Hinter der Linie ist keine Zahl. Regel 1 in meinem Duden.

Sehr schade: Die Linie zeigt immer einen Börsenkurs. Egal, worum es geht.

1 Schiff ist 1 Schiff

Ein Ding, ein Bild

Piktogramme malen ist schwierig. In der Financial Times werden Menschen geviertelt und Arme amputiert. Grässlich. Ein Männle steht für 500 Menschen. Ein loser Arm für 150. Komische Währung.

Oversight overhauled - SEC employees and budget. - Quelle: Financial Times, 27.08.2010, Seite 5.
Quelle: Financial Times, 27.08.2010, Seite 5.

Hier geht es gut. Die Piktogramme sind Schiffe, die von Piraten angegriffen wurden. Grün: Die Piraten wollten das Schiff kapern. Blau: Sie haben es geschafft. Jedes Piktogramm ein Schiff. Genau eins. Und es geht jedes Mal um ein Schiff. Um genau eins. Nicht um mehrere oder Teile. Schiff ist Schiff.

Troubled waters: Attacks on ships in the first half of 2010, by region. - Quelle: Wall Street Journal, 17.08.2010, Seite 3.
Quelle: Wall Street Journal, 17.08.2010, Seite 3. Hab ich von ihm.

Piktogramm geht so: Zähle, was Du zeigen willst. Male, was Du zählen willst. Male eins davon. Einmal je Ding. Wenn’s nicht hinpasst, kein Piktogramm.

Ernst muss ernst, lustig darf lustig

Mensch nicht tranchieren

Eine meiner Regeln für alle Diagramme: Meine Regeln sind nicht für alle Diagramme.

In einer USA Today: Wie sich jugendliche Eishockeyspieler verletzen. Ganz oft irgendwie. Und ziemlich oft andere. Mit Absicht. Ein Dekogramm, würde er sagen. Erst dachte ich: Die Grafik ist nicht ernst. Das Thema auch nicht. Sie will nicht ernst sein. Muss sie auch nicht. Dann überlegte ich: Verletzungen sind nicht lustig.


Quelle: USA Today, 18.10.2010, Seite 1.

In derselben USA Today: Amerika hat viel Geld ausgegeben. Und Konten und Autos gerettet. Das Geld will Amerika zurück. Ein ernstes Thema. Ernst gezeigt. Gut.

Payback Time. - Quelle: USA Today, 18.10.2010, Seite 7A.
Quelle: USA Today, 18.10.2010, Seite 7A.

Nochmal in derselben USA Today: ein tranchierter Baseball-Spieler. Auch ein Dekogramm. Wieder dachte ich zuerst: Die Grafik ist nicht ernst. Das Thema auch nicht. Sie will nicht ernst sein. Muss sie auch nicht. Dann überlegte ich: Piktogramme von Menschen tranchieren? Doch nicht so lustig.

Most championship series saves ... - Quelle: USA Today, 18.10.2010, Seite 1B.
Quelle: USA Today, 18.10.2010, Seite 1B.

Ernst muss ernst. Lustig darf lustig. Geschmack darf immer.

Die Größe des Menschen ist unantastbar

Mensch nicht schrumpfen

Sogar das Grundgesetz beschäftigt sich mit Diagrammen. Menschen schrumpft man nicht. Vergleiche Artikel 1. Gilt auch für Politiker. Und das Handelsblatt.

Wer wäre der beste SPD-Kanzlerkandidat? - Quelle: Handelsblatt, Nr. 186, 27.09.2010, Seite 6/7.
Quelle: Handelsblatt, Nr. 186, 27.09.2010, Seite 6/7.

Wen es nicht stört: Körper werden proportional über ihr Volumen skaliert, Flächen über ihre Fläche. Und Säulen nur über ihre Höhe. Wer Politiker partout schrumpfen will, muss sie schmäler und niedriger machen.

Hier wär es fast gutgegangen. Dirk ist halt groß. Und Michael halt nicht so. Doof ist aber, dass der Per sich krumm macht für den Ball. Drum wurde er nach vorn gerückt. Und wieder passt es nicht.

Dirk Nowitzki, Per Mertesacker und Michael Schumacher im Größenvergleich
Quelle: vergessen. Lange her, 2005.

Der Tod steht ihr nicht gut

Lustig nicht für Drama

Hingucker machen ist erlaubt. Aus Daten Grafiken machen: sowieso. Aus Daten Hingucker machen: muss man können. Geschmack hilft. Und Pietät.

Die fünf häufigsten Todesursachen innerhalb eines Jahres, in Ländern mit niedrigem Einkommen und Ländern mit höherem. - Quelle: Die Zeit, Nr. 45, 29.09.2009, S. 34.
Quelle: Die Zeit, Nr. 45, 29.09.2009, S. 34. Klick zum Vergrößern.

Der Text zur Grafik will, dass wir uns um Kranke kümmern. Auch in armen Ländern. Aus Krankheit wird Clipart. Aus Kranken werden Schwell‑ und Schrumpfmännle. Rot und glänzend. Kreuze als Schatten.

Flaggen-Origami

Säulen nicht beschneiden

Die Financial Times hat Flaggen gefaltet. Zu Häusle. Auseinandergeschnitten. Und verzerrt. Total. 11 ist fast so groß wie 22. Das mit den Flaggen ist gemein. Das mit der Skalierung gemeiner. Die Grafik ist schlecht und stimmen tut auch nichts. Auch gute Zeitungen muss man kritisch lesen. Man darf nicht blind vertrauen. Keiner Quelle. Egal, wie berühmt. Nicht mal mir.

Quelle: Financial Times, 11.12.2009, Seite 17

Quelle: Financial Times, 11.12.2009, Seite 17.

300

Ein Ding, ein Bild

Apropos Auflösung: General Electric hat eine Webseite mit Gesundheitsdaten. Man kann mit den Daten spielen. 300 Männle sind Amerika. Die sind in jedem Bild.

Je nach Krankheit und Risikofaktor stellen sie sich anders hin. Na ja. Manchmal laufen sie auch weg. Hier verschwinden 120 (oder 40 Prozent).

Beim Schlaganfall sieht das so aus. Die Dünnen stehen links, die Dicken rechts.

Bei 300 Männle für ganz Amerika ist die maximale Differenzierung 1/300=0,33 Prozent. In den Segmenten sinkt die Differenzierung. Hier bei den Dünnen ist sie 1/21=4,8 Prozent. Jetzt kommt’s: Von den Dünnen bekommt 1 Prozent einen Schlaganfall. Das wäre ein Fünftel Männle (1 Prozent von den 21). Das malt GE aber nicht. Drunter steht: je dicker, desto Schlaganfall. Kann ich auch nicht sehen. Alles ist 2 Prozent. Außer bei den ganz Dünnen (1 Prozent).

Spiel mal selbst damit. Ich finde: Absolute Häufigkeiten malen, aber Prozent meinen, geht schief.

Ist mir alles egal: Ich bin ein Labrador. Ich wäre gerne dick.

Medien, kompetent

Fläche ist schwierig

Die Schule ist an allem schuld. Heißt es. Daran aber nicht: dass mit Flächen Unsinn gemalt wird. In der 7. Klasse lernen alle Kinder, wie es richtig und wie es falsch ist. Damit sie medienkompetent werden.

In den beiden Diagrammen wird jeweils die Automobilproduktion für einen Neuwagentyp in den Jahren 2003 und 2004 dargestellt. Vergleiche die beiden Diagramme und nimm insbesondere dazu Stellung, ob sie den Sachverhalt korrekt wiedergeben.
Quelle: Lambacher Schweizer: Mathematik für Gymnasien 7, Seite 122.

Die Lehrer haben ihr Korrekturbuch. Da steht auf Seite 81:

links: quasi Säulendiagramm – Autosymbol entspricht 10.000 Autos; sinnvoll
rechts: Länge und Höhe werden um 66 % größer; Eindruck wird verfälscht, da sich die Fläche dabei mehr als verdoppelt.

Jetzt wünsche ich den medienkompetenten Kindern mehr kompetente Medien.