Dudeldi

Fläche ist schwierig

Schau mal. Sieht lustig aus, oder? Schön bunt. Schön rauf und runter. Kuckt man sich gerne an. Dann ärgert man sich.

Quelle: Google Music Timeline Screenshot

Warum geht die Linie für die hellgrüne Musik am Ende runter? Obwohl hellgrüne Musik gleich breit bleibt? Warum geht die Linie für gelbe Musik am Ende runter? Obwohl gelbe Musik breiter wird? Ich sag es Dir: Weil hellblaue Musik schmäler wird.

Linien stapeln ist für die Katz. Lass Dich im Business Intelligence damit nicht erwischen. Sonst geht es mit Dir auch abwärts.

Anteilnahme

Kacheln statt Stapeln

Die FASZ weiß, wie viele Mitglieder die Religionen haben. Seit 1900. Bis heute. Schau mal.

Marktanteile der Religionen - Mitgliederentwicklung von 1900 bis 2012. Quelle: FASZ, 10.03.2013, Seite 22.
Quelle: FASZ, 10.03.2013, Seite 22.

Drüber steht Marktanteil. Anteil. Drin ist aber Absolut. Aufeinander. Hast Du es gemerkt? Christen verlieren Anteil. Bisschen. Muslime gewinnen Anteil. Viel. Sonstige verlieren Anteil. Ganz viel.

Anteile zeigt man anders. Zum Beispiel so. Als Small Multiple.

Marktanteile der Religionen als Small Multiple. Redesign: ich.
Redesign: ich. Ohne Zwischenwerte. Vergleichbar skaliert.

Jetzt ist drin, was drüber steht.

Lasagne statt Spaghetti?

Stapellücken statt Stapellagen

Weißt Du noch, die Autofarben? Mit der Spaghettigrafik? Die Spaghetti haben wir gekachelt. Und nachgekachelt. Heute machen wir Lasagne draus.

Neuzulassungen nach Farben (in Prozent) als Stapeldiagramm.
Pkw-Neuzulassungen nach Farben, in Prozent.

Was sehen wir? Auf den ersten Blick: Blau, Grau, Grün, Schwarz, Weiß – gehen alle am Ende runter. Auf den zweiten Blick: Man braucht einen dritten Blick. Oder entstapelte Stapel.

Neuzulassungen nach Farben (in Prozent) als einzelne Säulenreihen, ohne Stapel.

Stapeln kann Richtung ändern. Schlimm. Senkrechte Zahlen sind nicht so schlimm.

Flachgestapelter Flächenflachs

Stapel keine Linien

Daran habe ich gekaut. Sieht harmlos aus. Der Größte unten, der Kleinste oben. Zusammen werden sie weniger. Kapiert. Chrysler fällt am stärksten. Ford am zweitstärksten. GM am wenigsten. Falsch kapiert. Miss mal nach. Anders kommst Du nicht dahinter.

US-Marktanteile amerikanischer Autohersteller kumuliert in Prozent. Quelle: Financial Times Deutschland, 21.11.2008, Seite 8.
US-Marktanteile amerikanischer Autohersteller kumuliert in Prozent.
Quelle: Financial Times Deutschland, 21.11.2008, Seite 8.

Ich hab damit herumgespielt. Den Kleinsten nach unten, den Größten nach oben. Das richtet Ford auf. Und macht Chrysler flach.

Oder Ford nach oben, dann geht es richtig runter.

Jetzt kommt es: Bei gestapelten Linien macht meist die erste die Musik. Schau mal, was passiert, wenn die erste Linie steigt und die anderen fallen. Ich habe dazu die Daten von GM umgedreht und die anderen gelassen, wie sie waren. Jetzt steigt Chrysler gleich mit. Obwohl es immer noch fällt.


Marktanteile von GM umgekehrt abgetragen, mit Daten von WardsAuto.com.

Also: Meide Flächen. Stapel keine Linien. Lies Grafiken mit Vorsicht. Übrigens: So wäre es gegangen.


Jeder Hersteller eine Linie. Die Summe eine weitere. Das Ganze logarithmisch.

Japanologisch

Anteil als Anteil

Die Grafik vom letzten Mal ist eine Falle. Weißt Du noch? Japan ist zu alt. Schau noch mal hin. Wenn man Säulen nimmt, darf man nicht logarithmisch. Wenn Werte weit auseinanderliegen, muss man logarithmisch. Und darf keine Säulen nehmen.


Alle Redesigns: ich.

Weniger Jahre hätte auch gereicht. Das Auge muss zwar hüpfen, um die Differenzen zwischen Dunkelgrau und Hellgrau links und Dunkelgrau und Hellgrau rechts zu vergleichen. Geht hier gerade noch so eben.

Gestapelt geht auch. Genauso gut. In dem Fall.

Mit Füllsäulen sieht man die Veränderung des Anteils besonders gut. Aber nur die.

Das erste Redesign gefällt mir am besten.

Die gute alte Zeit

Schneide Säulen nicht die Füße ab

Wegen Excel schneiden viele ihren Säulen die Füße ab. Und landen in der Grafikhölle. Denn wer schneidet, verzerrt. Wer verzerrt, lügt. Zumindest grafisch. Weil dann die grafische Veränderung nicht mehr proportional zur Wertveränderung ist. Er erklärt das ganz gut anhand eines grafischen Totalschadens in der SportAuto. Ich habe heute ein Beispiel, wie es richtig geht. Aus der Zeit. Die auch manchmal daneben langt.

Die Post streikt – gute Grafiken
Quelle: Die ZEIT, 30.04.2008, Seite 37

Alle meine Regeln sind eingehalten: Zeit läuft von links nach rechts. Die Skala beginnt bei Null. Die Grafik ist proportional zu den Werten. Nichts ist dramatisiert. Kein Schnickschnack. Kein siebenfaches Prozentzeichen. Briefe in Milliarden und nicht in Stück.

In der gleichen Ausgabe noch eine gute Grafik. Strukturen von oben nach unten. Beschriftung, wo sie hingehört: direkt an den Säulen. Zumindest für die Werte. Die „anderen“ hätte ich weggelassen. Die Pünktchen auch.

Die Nachfrage steigt – noch eine gute Grafik
Quelle: Die ZEIT, 30.04.2008, Seite 78.

Übrigens: Bei Liniengrafiken ist alles anders.