Titel, los!

Pfeile nicht als Vorzeichen

In der Financial Times ist Börse auch lustig. Wegen der Titel. Am lustigsten ist gar kein Titel. Schau mal. Ein Do-it-yourself-Chart: Du musst dir selbst ausdenken, was es sagen soll. Vielleicht, dass die Indian Equities insgesamt um 20 % (= (24–20)/20) gestiegen sind? Oder vielleicht, dass die Indian Equities zuletzt um 10 % (= (24–22)/22) gestiegen sind?

Quelle: Financial Times vom 16.05.2014.
Quelle: Financial Times vom 16.05.2014.

Auch lustig: Titel drunter, dann die 10 % suchen.

Quelle: Financial Times vom 16.05.2014, Seite 1.
Quelle: Financial Times vom 16.05.2014, Seite 1.

Beschriftung im Bild wäre klasse. Zum Beispiel mit einem Pfeil. Lustig ist: wenn der immer an die falsche Stelle zeigt. Weil er kein Pfeil ist, sondern ein Vorzeichen.

Quelle: Financial Times vom 16.05.2014, Seite 21.
Quelle: Financial Times vom 16.05.2014, Seite 21.

Sehr lustig auch: so skalieren und beschriften, dass plus 1,57 und minus 22,50 so ähnlich ausschauen. Besonders lustig: Veränderung mal relativ, mal absolut in derselben Zeitung. Obwohl doch Preisentwicklungen verglichen werden sollen. Und das macht man relativ.

Quelle: Financial Times vom 16.05.2014.
Quelle: Financial Times vom 16.05.2014.

Kopfschmerzen

Quetsche Säulen nicht die Köpfe

Du darfst Säulen nicht die Füße abschneiden. Auf den Kopf hauen auch nicht. Schau mal.

Proportions of Youngsters with Accidents During Their First Year of Driving. Quelle: Hans Zeisel, Say it with figures, New York u. a. 1985, Seite 128.
Quelle: Hans Zeisel, Say it with figures, New York u. a. 1985, Seite 128.

Sollte eine Füllsäule werden. So ist es nur lustig. Hat Hans gemalt. Sein Buch ist toll. Seine Grafiken nicht so. Eigentlich soll ich 5 Prozent und 8 Prozent verstehen. Hab stattdessen über den Quetschkopf nachgedacht.

Dumm-Chart

Gleicher Unterschied gleicher Winkel

Neulich gelesen. In der Welt. Die macht ihren Lesern Angst. Mit einem Doom Chart. Das ist eine Grafik des Untergangs. Der Aktien. Wie 1929.

Eine denkwürdige Parallele: Ähnlichkeiten vor dem großen Crash von 1929 und heute sind frappierend. Dow Jones in Punkten. Quelle: welt.de, 18.02.2014.
Quelle: welt.de, 18.02.2014.

Die Welt meint: Da wäre eine Parallele. Weil sie falsch skaliert. Aber: Schau mal die Achsen. Links 200 bis 350. Plus 75 Prozent. Rechts 13.000 bis 16.000. Plus 23 Prozent. Das ist gemein. Oder blöd. Oder beides.

So sieht es richtig skaliert aus.

Vergleichbar skalierte Zeitreihen in DeltaMaster.
Quelle: DeltaMaster, vergleichbare Skalierung.

So geht’s auch. Beide Zeiträume übereinander. Am Anfang beide 100. Auch gut. Sieht man aber die Werte nicht mehr.

Normierte Zeitreihen in DeltaMaster.
Quelle: DeltaMaster, normierte Zeitreihe.

Automurks mit Excel 2013

Schneide Säulen nicht die Füße ab

Bei der letzten Version hat er geschimpft. Bei der aktuellen mache ich es. Excel 2013 hat einen schlimmen Fehler. Wie alle Excels vorher. Im Diagrammassistenten. Der schneidet Säulen und Balken die Füße ab. Automatisch. Wenn Werte eng zusammen liegen. Das ist gegen mein Proportionalitätsgesetz.

Achsenoptionen in Microsoft Excel 2013

Deshalb: Schau genau hin. Stell die Achse richtig ein. Bloß nicht automatisch.

Kurz macht lang

Meter meinen, Meter malen

Schlechte Reifen bremsen schlecht. Und brauchen mehr Benzin. Sagt der ADAC. Und hat ein Bild dazu gemalt. Mit Auto und Fahrbahnstrichen. Damit man die Unterschiede beim Bremsen sieht. Gute Idee. Gemessen mit Sachen, die man kennt.

Quelle: ADAC Motorwelt 4/2013, Seite 42.
Quelle: ADAC Motorwelt 4/2013, Seite 42.

Hoppla! Da ist was komisch. Schau mal raus auf die Straße. Ganz schön kurz, so ein Auto. Ganz schön lang, so ein Strich. Wie lang, sagt der Bundesverkehrsminister:

Auf Autobahnen 6 Meter Strich und 12 Meter Lücke.
Sonst 4 Meter Strich und 8 Meter Lücke.
In der Stadt 3 Meter Strich und 6 Meter Lücke.

Der Bremser in der Grafik fährt 80 km/h. Also besser über Land. Für 3 Meter Bremsweg mehr braucht die Grafik so ungefähr 5 Striche und 5 Lücken. 5 x 4 plus 5 x 8 sind 60 Meter.

Messen mit Sachen, die man kennt, ist gut. Dann muss man aber auch damit malen.

Maßnahme

Dynamik vor Niveau

Nochmal zur Religion. Hatten wir letztes Mal. Oft skaliert man solche Daten so. Schau mal.


Daten aus FASZ, 10.03.2013, Seite 22. Redesign: ich. Global skaliert.

Man meint, das ist fair. Weil alle Achsen gleich aussehen. Gleiches für Verschiedenes ist selten fair. Man will Entwicklungen vergleichen. Verschiedene. Auf verschiedenem Niveau. Schau mal die Religionslosen. Von Nullkommabisschen auf 11 Prozent. Das ist viel mehr als die Muslime: von 13,1 auf 22,5 Prozent. Sieht aber sehr ähnlich aus.

Besser ist so. Schau mal.


Das Gleiche, vergleichbar skaliert.

Man rechnet so: Was ändert sich am stärksten? Prozentual. Das bekommt die ganze Höhe. Der Rest kriegt weniger. Im Verhältnis zum stärksten. So kriegt man alle unter. Steiler bedeutet mehr Veränderung. Weniger steil weniger Veränderung. Niveau liest man aus den Werten.

Oh! Hakelt.

Wichtiges größer als Kleines

Oracle hat gemalt: Wie zufrieden sind Leute mit Kundendienst? Schau mal.

oracle_alle

Quelle: Oracle. Gefunden bei crmmanager.de. Bei mir als Collage, bei Oracle als Streifen.
Klick zum Vergrößern.

Ich bin nicht zufrieden. Mit der Grafik.

Das Größte ist immer eine Zahl. Wie eine Überschrift. Eine Überschrift sagt das Wichtigste. Funktioniert hier nicht. Weil: Die Zahl bedeutet immer was anderes. Was sie bedeutet, steht daneben. Sehr klein.

Schau nochmal.

Prozentvergleich_600
Quelle: selbst geschnippelt.

Lustig: Verschiedene Prozent können gleich groß sein, größere Prozent können kleiner sein als kleinere Prozent.

Wechselzeilen

Gleich untereinander, verschieden nebeneinander

Im Handelsblatt sind Zweireiher angesagt. Für jede Dax-Aktie werden viele Werte abgedruckt. Und ein buntes Logo. Die Werte passen nicht alle in die Zeile. Deshalb macht das Handelsblatt zwei draus. Und schreibt untereinander, was nebeneinander gehört.

Dax 30, 06.12.2012 - adidas, Allianz, BASF, Bayer, Beiersdorf, BMW. Quelle: Handelsblatt, 07.12.2012, Seite 41.
Quelle: Handelsblatt, 07.12.2012, Seite 41. Klick zum Vergrößern.

Untereinander gehört, was man vergleichen will. Dann versteht man es besser. Hier will man Aktien vergleichen. Geht aber nicht. Weil die Werte, die untereinander stehen, immer zu einer anderen Kennzahl gehören. Nach der Vortagesveränderung von adidas kommt nicht die von der Allianz. Sondern nochmal adidas, aber Vorjahr. Und nach der Vorjahresveränderung von adidas kommt zwar die Allianz. Aber nicht Vorjahr, sondern Vortag. Zum Vergleichen muss man sich immer eine Zeile wegdenken. Dabei wollte man doch über die Zahlen nachdenken.

Dax 30, 06.12.2012 - Deutsche Börse, Deutsche Post, Deutsche Telekom, Fresenius Medical Care, Fresenius. Quelle: Handelsblatt, 07.12.2012, Seite 41.

Und schau mal die Balken: Die Vortage haben eine Skala. Und die Vorjahre eine andere. Deshalb sind die 1,96 bei der Post länger als die 38,09. Hm. Und die –0,49 von der Telekom so lang wie die –3,21. Nur viel röter. Hm.

Mir sind Einreiher lieber.

Im letzten Jahr Tausend

Gleicher Inhalt, gleiche Form

In der Kasse der TeamBank geht’s lustig zu. Dieses Jahr sind 123.628 Euro drin. Und 61 Cent. Letztes Jahr nur 53. Da habe ich gestaunt. Und dann gelernt: Links Euro, rechts Tausend Euro. Finde ich nicht gut. Links genau. Rechts grob. Und beides verschieden. Hilft nicht. Stört nur. Hier sogar besonders: Die längere Zahl ist oft die kleinere. Zum Beispiel die Barreserve. Schau mal, wie lang es dauert, bis Du es verstehst.

Jahresbilanz zum 31. Dezember 2010 der TeamBank AG, Nürnberg - Aktivseite. Quelle: Geschäftsbericht 2010 der TeamBank AG, Seite 76.
Quelle: Geschäftsbericht 2010 der TeamBank AG (PDF), Seite 76. Klick zum Vergrößern.

Schlecht, besser, schräg

45-Grad-Regel

William* sagt: Schneide Linien die Füße ab. Und zieh dran rum, bis alles 45 Grad schräg ist. Im Durchschnitt. Dann sieht es gut aus. Und man kann es gut lesen. Weil: Jeder Winkel ist so verschieden, wie er sein kann. Schau. Ganz schön flach. Winkel ziemlich ähnlich. Nicht gut.

Arbeitslose in Deutschland, 1991-2010.
Arbeitslose in Deutschland, 1991–2010. Daten: Statistisches Bundesamt.

Jetzt zusammengeschoben. Bis alles 45 Grad schräg ist. Im Durchschnitt. Viel besser.

Abschneiden erlaubt. Noch besser. Aber nicht mehr 45 Grad.

Abgeschnitten und alles 45 Grad schräg. Am besten.

Die WamS hat mal so gemalt. Mehr oder weniger. Sieht gut aus.

Studienanfänger an deutschen Hochschulen. Quelle: Welt am Sonntag, 11.12.2011, Seite 7.
Quelle: Welt am Sonntag, 11.12.2011, Seite 7.

* Cleveland, W. S., The Elements of Graphing Data, Murray Hill 1994, Seite 251–256.

Säulenkreisliniert

Gleicher Inhalt, gleiche Form

Die Welt ist bunt. Die WELT ist mir manchmal zu bunt. Dreimal von Prozent zu Prozent. Dreimal verschieden gemalt. Dreimal neu gelernt.

Erste Spalte: Kreise. Von groß nach klein ist schlecht. Hell ist jetzt. Dunkel nächstes Jahr. Kreis ist Wachstum? Hm.

Zweite Spalte: Säulen. Hängend. Von kurz nach lang ist schlecht. Einverstanden. Dunkel ist jetzt. Hell ist nächstes Jahr. Hm.

Dritte Spalte: Linien. Von niedrig nach hoch ist schlecht. Nicht einverstanden. Umdrehen.

Euro-Länder unter Druck: Wirtschafts- und Defizitentwicklung (BIP-Wachstum, Jahresdefizit, Schuldenstand).Quelle: Die Welt, 07.12.2011, Seite 5.
Quelle: Die Welt, 07.12.2011, Seite 5. Klick zum Vergrößern.

Paar Fehler hat’s auch. Kreise Portugal. Linie Finnland.

Problem war: Skalen für –5,5 bis +8 und –10,3 bis +0,8 und 5,8 bis 198,3. Über alles skalieren? Geht nicht. Groß quetscht Klein klein. Einzeln skalieren? Wie? Mit Säulen? Dann sieht alles gleich aus. Gegangen wär’s mit Linien. Wie in der rechten Spalte. Einmal gelernt. Dreimal verstanden.

Mehr ist weniger

Mal Flächen richtig oder gar nicht

Die Welt kompakt malt Italien. Die Fahne wird gelocht. Die Nulllinie abgelegt. Silvio fänd’s toll. Jetzt ist mehr Defizit weniger Fläche. Aber wegen der Fahne wäre er beleidigt.

Staatsfinanzen in Italien: Defizit, Schuldenstand, Ausgaben/Einnahmen des Staates. - Quelle: Welt kompakt, 10.11.2011, Seite 20.
Quelle: Welt kompakt, 10.11.2011, Seite 20.

Wie wär’s besser? Oberhalb auffüllen. Nicht unterhalb. Logisch. Oder: Vorzeichen umdrehen.

Und unten stimmt’s auch nicht. Man müsste zwischen den Linien auffüllen.

Noch besser: Gar nicht auffüllen. Oben nicht. In der Mitte nicht. Unten nicht. Denn: Jetzt werden Flächen verglichen. Die sind unterschiedlich skaliert. Und nicht vergleichbar.

Viel hilft viel

Kacheln statt Spaghetti

Manche sagen: der Clinton Bill, die Mae Fannie und der Mac Freddie sind schuld an der Finanzkrise. Der von 2008. Bill wollte, dass alle ein Haus haben. Deswegen hat er zu Fannie und Freddie gesagt: Seid halt nicht so genau beim Geld. Bill hatte immer einen Labrador bei sich. Der hätte das nicht erlaubt.

Er meint, die anderen haben recht. Die sagen, es ist viel komplizierter. Und Quatsch mit Häusern ist überall passiert. Mir egal. Ich habe nicht einmal eine Hundehütte.

The United States was one of many countries to experience rapid house price growth: House Price Appreciation in Selected Countries. - Quelle: Dissenting Statement of Commissioner Keith Hennessey, Commissioner Douglas Holtz-Eakin, and Vice Chairman Bill Thomas. In: The Financial Crisis Inquiry Commission (Hrsg.), The Financial Crisis Inquiry Report - Final Report of the National Commission on the Causes of the Financial and Economic Crisis in the United States, Januar 2011, Seite 411-440, hier Seite 415.
Quelle: Dissenting Statement of Commissioner Keith Hennessey, Commis­sioner Douglas Holtz-Eakin, and Vice Chairman Bill Thomas. In: FCIC (Hrsg.), The Financial Crisis Inquiry Report – Final Report of the National Commission on the Causes of the Financial and Economic Crisis in the United States, Januar 2011, Seite 411–440, hier Seite 415.

Toll ist: viele Sachen nebeneinander stellen. Zum Vergleichen. Du wiederholst die Form. Und wechselst den Inhalt. Small Multiple heißt das. Hat Edward so genannt.

Wichtig: Die Skalierung muss vergleichbar sein. Zum Beispiel durch Indexierung. Doppeltes kannst Du weglassen. Hier hat man die überflüssigen Beschriftungen weggelassen.

Auf einem Bein kann man nicht stehen

Säulen nie einsam

Vodafone hat ihre Töchter verglichen. Wie schnell sie gewachsen sind. In den Regionen der Welt. In USA wohnt nur eine Tochter. Sie wurde trotzdem verglichen. Womit eigentlich? Sieht ziemlich lustig aus. Solosäule.

Umsatzwachstum Geschäftsjahr 2008/2009 (links) und 2009/2010 (rechts).
Quelle:
Vodafone Group Plc Annual Reports 31 March 2009, Seite 11, bzw. 31 March 2010, Seite 11.

Verstehe schon: Der Grafiker war in Not. Alles sollte einheitlich aussehen. Was kann man tun? Global skalieren. Dann stimmt es wieder. Und eine Säule ist allein, aber nicht mehr einsam.

Im Geschäftsbericht 2010/2011 keine einsamen Säulen mehr, aber lustige Anregungen. Schreib dahinter, ob es „growth“ oder „decrease“ war. Schon bist Du nirgends minus.