Der kleine Unterschied

Aller Raum dem Unterschied

Klein ist oft schwer. Kleine Unterschiede auch. Große Unterschiede zwischen Kleinen besonders. Schau mal. So geht es besonders schlecht.

Arbeitslosenquoten im August 2013 als Tortendiagramm. Quelle: Nürnberger Nachrichten, 30.08.2013, Seite 4.
Arbeitslosenquoten im August 2013. Quelle: Nürnberger Nachrichten, 30.08.2013, Seite 4.

Weil: Torte ist schon schwierig. Weil schwer lesbar. Kleine Tortenstücke sind besonders schwierig. Weil schwerer lesbar. Kleine Tortenstücke in Torten nebeneinander sind noch schwieriger. Weil noch schwerer lesbar. Was machen wir stattdessen?

Arbeitslosenquoten im August 2013 als Grafische Tabelle.
Redesign: ich.

Funktioniert besser. Weil: Wir haben große Unterschiede zwischen kleinen Werten. Noch deutlicher geht es so. Punktbalken. Logarithmisch.

Arbeitslosenquoten im August 2013 als Grafische Tabelle mit logarithmisch skalierten Punktbalken.
Redesign: auch ich.

Blaunicht

Landkarten für Landdaten

Vor dem deutschen Wetter muss man auch warnen. Amtlich. Darum kümmert sich der Deutsche Wetterdienst. Am 09.09. gab es Blitzeis. In ganz Deutschland. Bodensee noch kälter. München schlammig. Da bleib ich mal lieber im französischen Wetter.

Amtliche Warnungen auf der Homepage des Deutschen Wetterdienstes

Stopp! Winterreifen wieder weg. Ich hab’s falsch verstanden. Erklärt wird’s in der Detailkarte. Mit Legende.

Warnkarte des Deutschen Wetterdienstes mit Legende

Aha. Blau „alles in Ordnung“. Gelb Warnwetter. Orange „markant“. Hm. Nicht so gut: Bei Blau denke ich an Wasser. Oder kaltes Wetter. Vielleicht doch besser Ampelgrün? Wie bei den Franzosen? Ich finde: ja. Weil: Ampelfarben warnen auf Landkarten gut. Aber Landfarben auf Karten ampeln schlecht.

Vive la Diffrance

Landkarten für Landdaten

Landkarten für Daten sind schwierig. Ampeln auch. Landkarten für Land sind toll. Ampeln für „Gefahr“ – „weiß nicht“ – „keine Gefahr“ sind auch toll. Kartenampeln für Landgefahren finde ich richtig toll. Man kapiert sie klein. Man kapiert wo. Man kapiert wie.

Guck mal:

Am Donnerstag musste man aufpassen. Fast in ganz Frankreich. Und besonders rechts unten. Die Korsen aber gar nicht.

Weil es  vielleicht blitzt.

Am Samstag musste man vor allem rechts aufpassen. Auch die Korsen.

Heute kann man ganz vergnügt spazieren gehen.

Aber gut das Fell eincremen.


Quelle: alle Bilder von Météo-France.

Stricheleinheiten

Kleine Werte stricheln

Manchmal hat man wenig Daten. Die man an vier Pfoten abzählen kann. Es ist gut, das zu zeigen. Zum Beispiel so wie im Wall Street Journal. Das fragte 52 Ökonomen, woher die nächste Finanzblase kommt. Jede Meinung ist ein Kästchen. Er fand Punktstapel auch gut.

Emerging risk – Responses to the survey question: Please rank the potential asset bubbles from most likely to least likely. - Quelle: Wall Street Journal, 13.11.2009, Seite 9.
Quelle: Wall Street Journal, 13.11.2009, Seite 9.

Schlecht ist, wenn gestrichelt wird, wo nichts zu zählen ist. So wie mit diesen Strichsäulen.

Krisenbewältigung. - Quelle: Handelsblatt, Nr. 240, 11.12.2009, Seite 17.
Quelle: Handelsblatt, Nr. 240, 11.12.2009, Seite 17.

Bond Reporting Standards

Zahl nicht als Wort

Er meint: Wenn man Zahlen hat, soll man die auch sagen. Und nicht stattdessen von „Absturz“ und „sattem Plus“ und „Talfahrt“ und „Höhenflug“ jaulen. Sonst glaubt einer, es ist 70 Prozent, und der nächste glaubt was anderes. Also: Die Controller dürfen sich nicht bei den Zeitungen anstecken. Müssen sie auch nicht, sagt er. Sie haben ja die Zahlen.

Matt sagt dasselbe. Ungefähr. Er hat uns eine Grafik dazu gezeigt. Sherman Kent hat die gemalt. Schon vor 40 Jahren. Ein Geheimagent aus Amerika. NATO-Offiziere mussten schätzen, wie viel Prozent er meint, wenn er sagt, es ist „highly likely“ oder „probably“ oder „unlikely“ oder „highly unlikely“ usw.:

Measuring Perceptions of Uncertainty
Quelle: Richards J. Heuer, Jr.: Psychology of Intelligence Analysis, Langley 1999, S. 155.

Oha. Ganz schön gefährlich. Da ging es ja um Militärisches. Wenn einer von der CIA dem Präsidenten sagt, die Bösen kommen „probably“. Und der Präsident versteht, na ja, also vielleicht mit einer Wahrscheinlichkeit von 25 Prozent. Und die CIA meinte aber 75 Prozent: Puh.

Der Sherman meinte, deswegen muss es Standards für die Sprache in Geheimdienstberichten geben:

Certain100 %
Almost certain93 %+/- 6 %
Probable75 %+/- 12 %
Chances about even50 %+/- 10 %
Probably not30 %+/- 10 %
Almost certainly not7 %+/- 5 %
Impossible0 %

Kann sein. Jedenfalls: Regeln sind gut. Jaulen ist schlecht.

Stopp! Ist Grün grüner als Gelb?

Dunkler statt Farbe

Im Bild der Wissenschaft 3/2006 gab es schöne Bilder. Sie zeigen Risikokarten für Deutschland. Ein Farbverlauf von Dunkelrot über Gelb nach Dunkelgrün ist keine natürliche Reihung. Weder für das menschliche Auge noch für meins. Für das Auge ist Grün nicht besser, größer oder wärmer als Gelb. Und Gelb nicht besser als Rot. Wenn gleich dunkle Farben für die niedrigsten und die höchsten Werte stehen, sieht man Muster nur schwer.

Erdbeben- und Wintersturmrisiko

Links Erdbebenrisiko, rechts Wintersturmrisiko in Deutschland. Quelle: CEDIM Risk Explorer.

Die Farbwahrnehmung sollte proportional zu den Werten sein. Das geht am besten mit Grauskalen. Wenn die Skala farbig sein muss, nimm Intensitätsabstufungen in derselben Farbe. Wenn die Größen positive und negative Werte annehmen können, nimm zwei Skalen.

Vergleich von Ampelfarben und Business Colors

Ampelfarben vs. Farbintensitäten für Umsatzdaten. Quelle: DeltaMaster Geo-Analyse Deutschland.

Wettergrafiken finde ich auch schwierig. Null Grad ist dort ganz schön Blau. Temperatur ist aber kontinuierlich. Ich finde 1 Grad deshalb nur ein bisschen weniger Blau. Auf keinen Fall ist es Gelb.

Wetterkarte

Wetterkarte