Spaßleins 2.0

Symbole nicht zu echt

Ich hatte das Handelsblatt geschimpft. Vor 2 Jahren. Weil es Spaßleins malt. Das ist Gekritzel, das aussehen will wie Sparklines. Schau mal.


Quelle: handelsblatt.com/4066396, 15.04.2011 (damals).

Jetzt ist es anders. Schau mal.


Quelle: handelsblatt.com/8146214, 30.04.2013.

Kein Gekritzel mehr. Aber immer noch keine Sparkline. Ich pass weiter auf.

Wechselzeilen

Gleich untereinander, verschieden nebeneinander

Im Handelsblatt sind Zweireiher angesagt. Für jede Dax-Aktie werden viele Werte abgedruckt. Und ein buntes Logo. Die Werte passen nicht alle in die Zeile. Deshalb macht das Handelsblatt zwei draus. Und schreibt untereinander, was nebeneinander gehört.

Dax 30, 06.12.2012 - adidas, Allianz, BASF, Bayer, Beiersdorf, BMW. Quelle: Handelsblatt, 07.12.2012, Seite 41.
Quelle: Handelsblatt, 07.12.2012, Seite 41. Klick zum Vergrößern.

Untereinander gehört, was man vergleichen will. Dann versteht man es besser. Hier will man Aktien vergleichen. Geht aber nicht. Weil die Werte, die untereinander stehen, immer zu einer anderen Kennzahl gehören. Nach der Vortagesveränderung von adidas kommt nicht die von der Allianz. Sondern nochmal adidas, aber Vorjahr. Und nach der Vorjahresveränderung von adidas kommt zwar die Allianz. Aber nicht Vorjahr, sondern Vortag. Zum Vergleichen muss man sich immer eine Zeile wegdenken. Dabei wollte man doch über die Zahlen nachdenken.

Dax 30, 06.12.2012 - Deutsche Börse, Deutsche Post, Deutsche Telekom, Fresenius Medical Care, Fresenius. Quelle: Handelsblatt, 07.12.2012, Seite 41.

Und schau mal die Balken: Die Vortage haben eine Skala. Und die Vorjahre eine andere. Deshalb sind die 1,96 bei der Post länger als die 38,09. Hm. Und die –0,49 von der Telekom so lang wie die –3,21. Nur viel röter. Hm.

Mir sind Einreiher lieber.

Ranking nach Rating

Sortieren kann korrelieren

Die Grafik ist schlecht: Um sie zu verstehen, musste ich den ganzen Artikel lesen. Der war gut: Autobauer sind Banken. Sie geben den Autofahrern Geld. Die kaufen Autos dafür. Die Autobauer haben aber auch kein Geld. Sie leihen es sich bei echten Banken. Die wollen Geld dafür. Von einigen Autobauern viel. Von anderen Autobauern weniger. Wenn S&P drei Mal A sagt, dann weniger. Wenn S&P drei Mal B sagt, dann viel. Die As leihen dann den Autofahrern das Geld billiger. Das finden die Autofahrer gut und kaufen mehr Autos.

Schau mal.

Absatzschwierigkeiten: Autoverkäufe in der EU. Quelle: Handelsblatt, 20.11.2012, Seite 28.
Quelle: Handelsblatt, 20.11.2012, Seite 28.

Warum versteht man die Grafik nicht? Weil nicht nach Rating sortiert ist. Weil Rating blau ist und die Autos auch. Die Autos aber nicht Rating, sondern Absatz sind. Das Auge fragt: Je größer das blaue Auto, desto was sind die roten Balken?

Schau mal.

Absatzschwierigkeiten: Autoverkäufe in der EU. Redesign: ich.
Redesign: ich.

So geht’s. Warum? Weil: Erst sortiert zeigt sich, was korreliert.

Daxbau

Dreieck statt Pfeil

Börse in der Tageszeitung ist schwierig. Weil: Die Werte sind von gestern. Heute gibt’s neue. Morgen auch. Was ist wichtig? Stimmung? Von gestern? Genauer Stand? Veränderung? Absolut? Relativ? Trend?

Ich hab die Titel-Daxe gelesen. In allen Tageszeitungen. Die FAZ hat keinen. Bei der FTD, der NZZ, den NN, der NZ und der RP: Trendpfeile. Für vorgestern auf gestern. Mei. Die FTD und die NN hab ich schon geschimpft. Die NN und die NZ zeigen Veränderungen nur absolut. Schlecht vergleichbar.

Financial Times Deutschland Neue Zürcher Zeitung Nürnberger Nachrichten Nürnberger Zeitung Rheinische Post

Dreiecke machen das Handelsblatt, die International Herald Tribune, die SZ, das Wall Street Journal und die Welt. Dreiecke sind besser als Trendpfeile. Weil sie nicht schräg stehen. Und nicht wie Trend tun. Das WSJ lässt die Vorzeichen weg. Auch negative. (Sieht man hier nicht. Aber hier.) Aua.

Handelsblatt International Herald Tribune Süddeutsche Zeitung Wall Street Journal Die Welt

Die größten Dreiecke hat das Handelsblatt. Und die quer. Zum Lesen schlecht. Zum Kapieren, wie die Stimmung gestern war: okay. Das WSJ hat kleine Dreiecke. Zu klein für Stimmung. Und schlecht zu lesen. Die Dreiecke von der Welt sind noch kleiner. Zu klein.

Abbildungen wie im Text von links nach rechts, alle vom 29.11.2011.

Spaßleins

Sparklines nur mit Wert

Das Handelsblatt online macht jetzt Sparklines. Eigentlich schön. Wenn’s welche wären.

Quelle: handelsblatt.com/4066396
Linien in den Artikeln des Handelsblatts. Quelle: handelsblatt.com/4066396, 15.04.2011.

Lustig: Die Linie für Bayern München ist der Aktienkurs der Münchener Rück. Und die für Bayer Leverkusen ist BMW.

Quelle: handelsblatt.com/4066396 Quelle: handelsblatt.com/4066396
Die Details zu den Linien. Probier es selbst oder guck Dir die ganze Seite an.

Schade: Hinter der Linie ist keine Zahl. Regel 1 in meinem Duden.

Sehr schade: Die Linie zeigt immer einen Börsenkurs. Egal, worum es geht.

Die Größe des Menschen ist unantastbar

Mensch nicht schrumpfen

Sogar das Grundgesetz beschäftigt sich mit Diagrammen. Menschen schrumpft man nicht. Vergleiche Artikel 1. Gilt auch für Politiker. Und das Handelsblatt.

Wer wäre der beste SPD-Kanzlerkandidat? - Quelle: Handelsblatt, Nr. 186, 27.09.2010, Seite 6/7.
Quelle: Handelsblatt, Nr. 186, 27.09.2010, Seite 6/7.

Wen es nicht stört: Körper werden proportional über ihr Volumen skaliert, Flächen über ihre Fläche. Und Säulen nur über ihre Höhe. Wer Politiker partout schrumpfen will, muss sie schmäler und niedriger machen.

Hier wär es fast gutgegangen. Dirk ist halt groß. Und Michael halt nicht so. Doof ist aber, dass der Per sich krumm macht für den Ball. Drum wurde er nach vorn gerückt. Und wieder passt es nicht.

Dirk Nowitzki, Per Mertesacker und Michael Schumacher im Größenvergleich
Quelle: vergessen. Lange her, 2005.

Stricheleinheiten

Kleine Werte stricheln

Manchmal hat man wenig Daten. Die man an vier Pfoten abzählen kann. Es ist gut, das zu zeigen. Zum Beispiel so wie im Wall Street Journal. Das fragte 52 Ökonomen, woher die nächste Finanzblase kommt. Jede Meinung ist ein Kästchen. Er fand Punktstapel auch gut.

Emerging risk – Responses to the survey question: Please rank the potential asset bubbles from most likely to least likely. - Quelle: Wall Street Journal, 13.11.2009, Seite 9.
Quelle: Wall Street Journal, 13.11.2009, Seite 9.

Schlecht ist, wenn gestrichelt wird, wo nichts zu zählen ist. So wie mit diesen Strichsäulen.

Krisenbewältigung. - Quelle: Handelsblatt, Nr. 240, 11.12.2009, Seite 17.
Quelle: Handelsblatt, Nr. 240, 11.12.2009, Seite 17.

Log? Logo!

Gleicher Unterschied gleicher Winkel

Nochmal didaktisch. Nochmal die Grafik aus dem Handelsblatt:


Quelle: Handelsblatt, Nr. 83, 30.04.2009, Seite 1, diesmal Original.

Man meint: Laster wächst schneller als Schiene. Schiene wächst wenig. Schiff gar nicht. Stimmt aber nicht. Wenn Werte sehr unterschiedlich sind, kann man Entwicklungen schwer vergleichen. Dann hilft logarithmisch.

Jetzt sieht man: Schiene wächst stärker als Laster. 70 Prozent zu 56 Prozent. Schiff ist zwischendurch fast gesunken. Insgesamt 3 Prozent gewachsen.

Logarithmisch geht nicht immer. Aber öfter.

Verbieten verboten

Schneide Linien ruhig die Füße ab

Heute wird’s didaktisch. Ich hab mal rumgeschnippelt:


Quelle: Handelsblatt, Nr. 83, 30.04.2009, Seite 1, von mir bearbeitet. Klick fürs Original.

Links finden viele richtig skaliert. Sie denken: Die Null muss drin sein. Egal, ob Linien oder Säulen – abschneiden verboten.

Aber: Die Null ist nicht der Meeresspiegel. Rechts nutzt den Platz maximal aus, um die Veränderungen anzuschauen. Oft ist das wichtig. Alle anderen Skalierungen steilen die Kurve mehr oder weniger. Und zeigen die Details mehr oder weniger. Dass die Veränderung größer als 50 % ist, sieht man weder links noch rechts von selbst. Das schreibt man besser hin.

Jedenfalls gilt: Linien die Füße abschneiden ist nicht verboten. Schnippschnapp.

Kollapsteralschaden

Schneide Säulen nicht die Füße ab

Die Steuereinnahmen kollabieren. Sagt das Handelsblatt. Er findet, 9 Prozent Minus und Kollaps passen nicht zusammen. Ich hab den Artikel auch gelesen. Und wär fast kollabiert.

Deutungspriorität nicht verstanden. Noch mal: Bei Säulen interpretiert man die Längenunterschiede als Wertunterschiede. Darum: nicht abschneiden. Oder: Linien statt Säulen nehmen.

Hat das Handelsblatt nicht gemacht. Siehe links. Müsste es aber. Siehe rechts.

Zenit überschritten - Steuereinnahmen in Mrd. Euro. Quelle: Handelsblatt Nr. 131 vom 13.07.2009, S. 3
Quelle: Handelsblatt, Nr. 131, 13.07.2009, Seite 3. Redesign: ich.

Jetzt war ich ein bisserl misstrauisch und habe die Quelle nachgeschaut. Dort gibt es zwei Schätzungen mehr. Hm.

Grafik aus dem Handelsblatt Nr. 131 vom 13.07.2009, S. 3, erweitert um die Schätzwerte für 2012 und 2013
Redesign: ich.