Dick essen, aber nicht schreiben

Fett nur selten

Ich bin ein Labrador. Fett ist nicht so schlecht. Für Schrift ist das anders. Schau mal.

Use bold to increase legibility on a shaded background or to emphasize a segment. Quelle: Wong, Dona, The Wall Street Journal Guide to Information Graphics

Quelle: Wong, Dona, The Wall Street Journal Guide to Information Graphics

Fett auf Dunkel ist erlaubt. Zum Lesen. Zum Betonen.

 

Don't set a huge amount of text in bold. Emphasizing everything means nothing gets emphasized. Quelle: Wong, Dona, The Wall Street Journal Guide to Information Graphics

Alles fett, alles wichtig, nix wichtig.

 

Use bold to emphasize the focal point of the message. Be judicious. Quelle: Wong, Dona, The Wall Street Journal Guide to Information Graphics

Wichtig darf fett. Fett muss wichtig.

Titel, los!

Pfeile nicht als Vorzeichen

In der Financial Times ist Börse auch lustig. Wegen der Titel. Am lustigsten ist gar kein Titel. Schau mal. Ein Do-it-yourself-Chart: Du musst dir selbst ausdenken, was es sagen soll. Vielleicht, dass die Indian Equities insgesamt um 20 % (= (24–20)/20) gestiegen sind? Oder vielleicht, dass die Indian Equities zuletzt um 10 % (= (24–22)/22) gestiegen sind?

Quelle: Financial Times vom 16.05.2014.
Quelle: Financial Times vom 16.05.2014.

Auch lustig: Titel drunter, dann die 10 % suchen.

Quelle: Financial Times vom 16.05.2014, Seite 1.
Quelle: Financial Times vom 16.05.2014, Seite 1.

Beschriftung im Bild wäre klasse. Zum Beispiel mit einem Pfeil. Lustig ist: wenn der immer an die falsche Stelle zeigt. Weil er kein Pfeil ist, sondern ein Vorzeichen.

Quelle: Financial Times vom 16.05.2014, Seite 21.
Quelle: Financial Times vom 16.05.2014, Seite 21.

Sehr lustig auch: so skalieren und beschriften, dass plus 1,57 und minus 22,50 so ähnlich ausschauen. Besonders lustig: Veränderung mal relativ, mal absolut in derselben Zeitung. Obwohl doch Preisentwicklungen verglichen werden sollen. Und das macht man relativ.

Quelle: Financial Times vom 16.05.2014.
Quelle: Financial Times vom 16.05.2014.

Sprudel

Legenden meiden

Es gibt ein neues Heft. Für Wirtschaft und so. BILANZ. Da war dieser Sprudel drin. Schau mal.

Profitabilität der Geschäftsfelder von Thyssen-Krupp. Quelle: Bilanz, Mai 2014, Seite 14.
Quelle: Bilanz, Mai 2014, Seite 14.

Hingeguckt hab ich. Ziemlich gern. Bunt schaut man an. Gelesen hab ich es nicht so gern. Schau mal. Hin und her. Zwischen Zahl und Zahl, Farbe und Legende, Zahl und Überschrift, Überschrift und Überschrift. Anstrengend.


Quelle: ich, mit Pfotenscan für mein Personal Eyetracking.

Vielleicht ist Wirtschaft anstrengend, wenn es lustig sein muss? Und wäre lustiger, wenn es nicht so anstrengend ist?

Berichten mit Nivea-u

Dynamik vor Niveau

Über Geschäftsberichte haben er und ich schon geschimpft. Über die von E.ON, Vodafone, der Sparkasse Nürnberg, der Telekom und der Teambank. Weil Gutes rot gemalt wird, wegen der CI. Weil man die Zeit rückwärts lesen soll. Weil die Einheiten zwischen den Jahren wechseln. Weil man nicht vergleichen kann, schwer liest, schwer versteht.

Bei Nivea und Tesa geht es anders und besser. Schau mal.

Beiersdorf auf einen Blick - die Kennzahlen, 2008 (linke Spalte), 2009 (rechte Spalte). Quelle: Beiersdorf AG, Geschäftsbericht 2009.
Quelle: Beiersdorf AG, Geschäftsbericht 2009.

Die Zeit läuft von links nach rechts. Wie sie soll.

Säulendiagramme: Umsatz Tesa in Mio. Euro, Betriebliches Ergebnis Tesa in Mio. EUro (EBIT). Quelle: Beiersdorf AG, Geschäftsbericht 2009.
Quelle: auch da.

Dass der EBIT klein war, sieht man. Weil Umsatz und EBIT individuell skaliert sind. Weil man die Entwicklung sehen soll. Und nicht den Anteil.

Liniendiagramm: Entwicklung der Beiersdorf-Aktie und des Dax 2009; jeweils als relative Veränderung. Quelle: Beiersdorf AG, Geschäftsbericht 2009.
Quelle: auch da.

Dass die Aktie schlechter lief als der Dax, sieht man. Wegen Index (der hier kein Verschwindex ist).

Tortendiagramme: Umsatz Consumer nach Regionen in Prozent, Umsatz Tesa nach Regionen in Prozent. Quelle: Beiersdorf AG, Geschäftsbericht 2009.
Quelle: auch da.

Sogar die Tesa-Torte funktioniert. Weil nur 3 Werte. Weil vernünftig beschriftet. Weil großer Unterschied zwischen Europa links und Europa rechts.

Alles sehr mutig. Weil: im Geschäftsbericht 2009 – einem schlechten Jahr.

Die kleine Flatter

Balken beschriften

Da wollte ich endlich mal dran. Wie beschriftet man Balken? Davor? Dahinter? Daneben? Darunter? Darüber? Schau mal.

Der Wert der Banken: Marktkapitalisierung in Milliarden Euro, in Klammern prozentuale Veränderung zwischen 1.2.2009 und 1.2.2010. Quelle: Die Zeit, 04.02.2010, Seite 19.Pro-Kopf-Ausgaben für die Verbraucherzentralen in den Bundesländern, in Cent. Quelle: FAZ, 19.07.2009, Seite 35.
Quelle: Die Zeit, 04.02.2010, Seite 19; FAZ, 19.07.2009, Seite 35.

In der „Zeit“: Namen darüber. Zahl daneben, rechts, geflattert. Geschickt: lange Namen kein Problem. Der ganze Platz ist für die Balken da. Weniger geschickt: die Abstände. Je mehr davon, desto weniger Grafik. Ungeschickt: Die Zahlen verlängern die Balken.

In der „FAZ“: Namen davor. Zahl darin, rechts darin. Geschickt: Durchschnitt dabei. Weniger geschickt: Balkenlänge und Zahl lesen geht auf einmal. Meint man. Ist aber nicht so. Grafik und Zahl wuchern zusammen. Schwer fürs Hirn. Kann man lernen, wenn man’s öfter sieht. Wichtig dabei: genau pixeln. Die Zahlen stehen nicht genau. Und flattern damit zweifach.

Schau mal. Ich hab’s gemalt wie immer. Geht immer. Klare Sache. Jedes Ding hat seinen Platz. Zahlen wie Grafiken.

Grafische Tabelle: Marktkapitalisierung von Banken in Milliarden Euro, in Klammern prozentuale Veränderung zwischen 1.2.2009 und 1.2.2010.Grafische Tabelle: Pro-Kopf-Ausgaben für die Verbraucherzentralen in den Bundesländern, in Cent.
Redesign: ich.

Kartenspiel

Landkarten für Landdaten

Landkarten und Werte ist schwer. Schludrig wird’s zu schwer.

Arbeitslosenquote im März 2012. - Quelle: Die Welt, 30.03.2012, Seite 10.
Quelle: Die Welt, 30.03.2012, Seite 10.

Schau mal die Zahlen: mal in der Säule, mal drüber. Schau mal den Abstand zwischen Säule und Zahl: mal gleich, mal anders, mal Zufall. Schau mal die Zeit: 2012 links, 2011 rechts, rückwärts. Lies mal und mach Dir einen Reim. Das dauert. Augenhüpfburg. Hin und her. Rauf und runter. Schau mal die Karte: Süden ist gut. Westen ist fast gut. Osten ist nicht so gut. Sieht man gut. In einer Karte.

Für die Zahlen besser so:

Arbeitslosenquote im März 2012 als Grafische Tabelle. Von mir.
Grafische Tabelle. Von mir.

Für Zahlen und Geo vielleicht so:

Arbeitslosenquote im März 2012 als Grafische Tabelle und mit Landkarte. Von mir.
Grafische Tabelle. Und Landkarte. Beides von mir.

Viel hilft viel

Kacheln statt Spaghetti

Manche sagen: der Clinton Bill, die Mae Fannie und der Mac Freddie sind schuld an der Finanzkrise. Der von 2008. Bill wollte, dass alle ein Haus haben. Deswegen hat er zu Fannie und Freddie gesagt: Seid halt nicht so genau beim Geld. Bill hatte immer einen Labrador bei sich. Der hätte das nicht erlaubt.

Er meint, die anderen haben recht. Die sagen, es ist viel komplizierter. Und Quatsch mit Häusern ist überall passiert. Mir egal. Ich habe nicht einmal eine Hundehütte.

The United States was one of many countries to experience rapid house price growth: House Price Appreciation in Selected Countries. - Quelle: Dissenting Statement of Commissioner Keith Hennessey, Commissioner Douglas Holtz-Eakin, and Vice Chairman Bill Thomas. In: The Financial Crisis Inquiry Commission (Hrsg.), The Financial Crisis Inquiry Report - Final Report of the National Commission on the Causes of the Financial and Economic Crisis in the United States, Januar 2011, Seite 411-440, hier Seite 415.
Quelle: Dissenting Statement of Commissioner Keith Hennessey, Commis­sioner Douglas Holtz-Eakin, and Vice Chairman Bill Thomas. In: FCIC (Hrsg.), The Financial Crisis Inquiry Report – Final Report of the National Commission on the Causes of the Financial and Economic Crisis in the United States, Januar 2011, Seite 411–440, hier Seite 415.

Toll ist: viele Sachen nebeneinander stellen. Zum Vergleichen. Du wiederholst die Form. Und wechselst den Inhalt. Small Multiple heißt das. Hat Edward so genannt.

Wichtig: Die Skalierung muss vergleichbar sein. Zum Beispiel durch Indexierung. Doppeltes kannst Du weglassen. Hier hat man die überflüssigen Beschriftungen weggelassen.

Protz, Ende

Prozent nicht als Gebirge

Die Welt zeigt Umsatzveränderungen. Der deutschen Top-500-Unternehmen. Seit 1995. In Wachstumsraten pro Jahr. Siehst Du Umsätze? Ich nicht. Ist nach Krise schon wieder wie vor Krise? Warte. Ich geh‘ meinen Taschenrechner holen.*

Umsatzveränderungen seit 1995. - Quelle: Die Welt, 20.06.2011, Seite 11, bzw. Welt online, http://www.welt.de/wirtschaft/article13439933/Deutsche-Top-500-machen-die-Krise-mehr-als-wett.html, 24.06.2011, Bild 2.
Quelle: Die Welt, 20.06.2011, Seite 11, bzw. Welt online, 24.06.2011, Bild 2.

Prozentgebirge machen mich schwindlig. Schau mal. So haben sich die Umsätze eigentlich verändert.


Redesign: ich.

Die prozentuale Veränderung kann man trotzdem dran schreiben. Merke: Linien sind Entwicklung. Wachstumsprozente auch. Linien über Wachstumsprozente ist gemalte Beschriftung statt Gemaltes beschriftet.

* 2008 sei 100. Dann 8 Prozent runter. Gibt 92. Dann 11,8 Prozent rauf. 92 x 0,118 = 10,9. Addieren: 92 + 10,9 = 102,9. Aha.

Mal Kasten

Spekulieren markieren

In die Zukunft schauen ist schwer. Schau mal: Runter geschätzt, gleich geblieben. Nochmal runter geschätzt, rauf gegangen. Rauf geschätzt, runter gegangen. Runter geschätzt, runter gegangen. Bisserl runter geschätzt, sehr runtergegangen. Und so weiter, rauf und runter.

Economists predict rebound, bot no job growth. - Quelle: Wall Street Journal, 07.02.2003.
Quelle: Wall Street Journal, 07.02.2003.

Darum: immer dazusagen, wenn Du schätzt. Und zwar deutlich. Für deutlich gibt es viele schöne Möglichkeiten.

Drüber malen.

Dran malen.

Ausmalen und dran malen.

Kasten drumherum malen.

Sehr wichtig bei Linien: Wie viele Zeitpunkte hast Du geschätzt?

Und die Krönung: Bandbreite malen.

Also immer markieren. Weil: Unmarkiert spekuliert ist manipuliert.

Grafiken sind nicht Hase und Igel

Balken nicht zentrieren

Er hat über das Wall Street Journal geschrieben. Die europäische Ausgabe. Und das Facelift vom 17.11.2009. Ha. Da hätte er mal in die Ausgabe vom 13.11.2009 schauen sollen:

A comparison of Samsung and key competitors in several markets. Quelle: Wall Street Journal Europe, 13.11.2009, S. 26.
Quelle: Wall Street Journal Europe, 13.11.2009, Seite 26.

Du musst Überhänge addieren, um das zu verstehen. Die Farben sind nicht besser. Du musst lernen: Samsung ist immer oben. Hat aber eine andere Farbe. Dieselbe wie der Wettbewerber. Der ist aber gekreuzelt. Die Balken vom Wettbewerber sind am Ende blass. Musst Du trotzdem addieren. Dann lese ich halt nur die Zahlen. Jetzt muss das Auge links-rechts, links-rechts, links-rechts, links-rechts.

Hat die Grafik auch verdient. Einmal links, einmal rechts. Kräftig.

Eine Regel ohne Wenn und Dann

Zeit läuft von links nach rechts

6 Gründe für Urlaub. 2 Jahre. 2 Landesteile. 24 Zahlen. Klingt einfach. Ist es nicht. An diesem Diagramm kann man viel überlegen.

Urlaubsmotive der Deutschen - Quelle: Welt am Sonntag, Nr. 43, 25.10.2009, S. 24
Quelle: Welt am Sonntag, Nr. 43, 25.10.2009, Seite 24.

Nähe verbindet. Die Überschrift verbindet sich mit allen ersten Balken. Sie wird selbst grafisch. Soll sie aber nicht. Sie gilt für vier Balken.

Zeit ist waagrecht. Hatten wir schon. Hier ist Sinken eine Bewegung nach links. Versteht das Auge schwer.

Mann mit Hut. Zwei Männer stehen nebeneinander. Der kleinere trägt Zylinder. Wie klein ist der Kleine? Zahlen rechts am Balken: hier besser nicht.

Farbe gruppiert. In der WAMS alle Werte für 1991 und alle Werte für 2008. Kann gut sein. Hier ist es nicht so gut.

Karos sind out. Streifen im Hintergrund sind lustig. Und schlecht zu lesen.

Das wichtigste aber: Grund, Jahre, Jahresveränderung, Landesteil, Ost-West-Unterschied – alles ist in die Senkrechte gepackt. Das ist zu viel.

Urlaubsmotive der Deutschen - Redesign als Grafische Tabelle
Quelle: DeltaMaster.

Meine Regel: Nutze zwei Blickachsen, senkrecht und waagrecht, wo es hilft. Funktioniert nicht immer. Hier aber ganz gut.