Aschenblödel

Balken nicht beschneiden

Ich hab mal wieder nachgesehen. Bei der SZ im Börsenteil. Der ist lustig. Schon ziemlich lange. Und immer wieder. Schau mal.


Quelle: SZ vom 15.05.2014. Klick zum Vergrößern: von MDax bzw. von TecDax

Aurubis ist 3,43 nach oben. Und Leoni 4,02. Ein Unterschied von 17 %. Der Balken für Leoni ist aber 58 % länger.

Es geht noch lustiger. Freenet ist 5,35 nach unten. Leoni ist 25 % kleiner. Aber der Balken dafür 12 % länger. So ein Spaß.

Der Spaß kommt vom Abschneiden. Und Asche-dran-kleben. Mal bei 4. Mal bei 11.

Die Sparkasse kann es besser.

Entschrumpfentdehnt

Meide Stauchbalken und Hüpfsäulen

Ich hab gesagt: Ich mal das noch mal. Jetzt schau.


Redesign: ich.

Geht doch. Beim Economist sah’s so aus:

Startup your engines: Total follow-on funding for alumni from top accelerators. Quelle: The Economist, Special Report „Tech Startups“, 18.01.2014, Seite 5.
Quelle: vom letzten Mal. The Economist, Special Report „Tech Startups“, 18.01.2014, Seite 5.

Ich hab versprochen: Ich probier’s mit Punktbalken. Und logarithmisch. Jetzt schau noch mal:


Auch von mir.

Schau mal die Abstände: Die sind gleich zwischen Y Combinator, Techstars und AngelPad. Weil: Y Combinator ist vier Mal so groß wie Techstars. Und Techstars ist vier Mal so groß wie AngelPad. Klasse.

Lustig, oder? In derselben Liste 2 Milliarden und 2 Millionen. Punktbalken logarithmisch halten das aus.

Econo-Mist

Meide Stauchbalken und Hüpfsäulen

Einer meiner Vorsätze für 2014: Ich bleib dogmatisch. Weil Daten grausam sind. Schau mal.

Startup your engines: Total follow-on funding for alumni from top accelerators. Quelle: The Economist, Special Report „Tech Startups“, 18.01.2014, Seite 5.
Quelle: The Economist, Special Report „Tech Startups“, 18.01.2014, Seite 5.

Zwei Werte waren zu groß. Die Balken zu lang. Die Seite zu schmal. Schnipp-Schnapp. Die zwei Stauchbalken zusammen sind 2 Milliarden. Die acht anderen 300 Millionen. Frech, wie der Economist den Y Combinator schrumpft. Und die TechStars werden schrumpfgedehnt: zu groß für Y Combinator, zu klein für AngelPad.

Hard sell: Capital invested in startup IT companies. Quelle: The Economist, Special Report „Tech Startups“, 18.01.2014, Seite 3.
Quelle: auch da, Seite 3.

Zwei Seiten vorher: Hüpfsäulen. Hier fänd ich Schnipp-Schnapp gut. Wenn die Early-stagers hüpfen, hüpfen die Later-stagers mit. Auch wenn sie die Ruhe selbst sind.

Dogmatisch hätte es besser geklappt: mit Punktbalken und Linien. Beide logarithmisch. Ich mal noch mal. Und zeig’s Dir dann. Freu Dich schon.

Ausgerechnet Ausreißer

Ausreißer nie allein

Der Spiegel zeigt: In ganz Deutschland ist Baden gefährlich. Wasser schlecht. Auf einer Karte lauter Punkte. 15 rote. 36 schwarze. Brrrr! Wo ich so gerne bade. Ich habe weitergeblättert.

Wasser - marsch! Quelle: Der Spiegel, 26.05.2012, Seite 18.
Quelle: Der Spiegel, 26.05.2012, Seite 18.

Stopp. Zurückblättern. Was stand da genau? „Sonnentage … nur Fußspitzen ins Wasser … geringe Wasserqualität … verschlechtert …“. Dann, letzte Zeile: „an 2259 Badestellen … bedenkenlos planschen“. Fein! Wo ich so gerne bade. Taschenrechner raus. Bei 0,6 Prozent* ist es nicht so toll.

Raffiniert, der Spiegel: Ist doch selber schuld, wer nicht zu Ende liest. Und die blauen Pünktle auf der Karte nicht sieht.

Für Leute, die grafisch nicht gern baden gehen: Zeige, wie es ist. Ausreißer sind, wie es auch ist: selten, manchmal, da und dort. Aber nicht überall. Ausreißer zeigen geht, wenn man auch zeigt, was nicht ausreißt.

*15 von (2259+15+36) = 0,6 Prozent.

Potzblitz? Nicht im Journal

Viel darf wie viel aussehen

Im Obama-Jahr: Ja, wir malen! Und zwar Balken so lang, wie sie halt sind. Über die ganze Seite. In Obama-Land ist das kein Problem:

Das Wall Street Journal malt die Balken über die ganze Seite. (Klick drauf für komplett.)

In der Welt hingegen schlägt der Blitz ein (links). Der Blitzeinschlag macht die Grafik absurd. Eine Tabelle wäre dann besser. Ich hab rechts gemalt, wie es richtig wäre.


Quelle: Die Welt, 13.08.2008, Seite 26. Redesign: ich

Du sollst nicht kupieren

Säulen nicht wegschneiden, Balken nicht abschneiden

Nochmal. Mein Proportionalitätsgesetz. Die Idee von Balken‑ und Säulengrafiken ist: Wertverhältnisse durch Längenverhältnisse abbilden. Proportional. Proportional. Proportional.

Über Schwindelraster bei Zeitachsen habe ich schon gejault. Die sind Manipulation. Das Beispiel unten ist noch raffinierter. Auf den ersten Blick meint man: So ein netter Mann – sagt dazu, dass er die Daten nicht hatte. Falsch. Er sagt: „Ich nehme Dich auf den Arm, aber ich sag es dazu.“ Die 2001 suggeriert: 2002, 2003, 2004, 2005 waren genauso. Waren sie das?

Umsatzwachstum
Quelle: Euro, Nr. 06/2007, Seite 42.

Das hier ist Howards Regel „Ignore the visual metaphor altogether“ in Aktion: „Ich bring die Daten zwar nicht aufs Papier, aber ich mal sie trotzdem hin.“ Grafik passt nicht aufs Papier? Nimm eine Tabelle.

Kraftwerke
Quelle: Wirtschaftswoche, Nr. 27, 30.06.2008, Seite 82.

Die Süddeutsche finde ich klasse. Sie ist die erste Zeitung mit Grafischen Tabellen im Börsenteil. Online und auf Papier. Und jetzt das. Die absolut spannendste Information, die Ausreißer, die Kracher, die totalen Verlustbringer, das, was man wissen muss: einfach versteckt.

Grafische Tabelle in der SZ
Quelle: Süddeutsche Zeitung, 16.07.2008.

Histogramm als Minigrafik

Durchschnitt versteckt

Mittelwert und Median sagen sehr knapp, wie eine Verteilung aussieht. Manchmal ist das zu knapp. Wenn man Daten verstehen will, muss man sie alle sehen. Rafe hat eine schöne Idee, wie das sehr dicht geht.

Mrs. Johnson’s piano class last year had eight students of varying ages pianoclass01, seven of them children and one older gentleman, Mr. Onaip, who provided the other students with an interesting perspective on music and life in general. This year, the age distribution is noticeably different pianoclass01, since Mr. Onaip has brought along two of his like-aged friends and his daughter, Allegro, who has just graduated from medical school.

Ich hab ausprobiert, ob das in Excel geht. Es geht.

Daten muss man sich genau ansehen. Das ist wichtig. Wie wichtig, zeigt die Geschichte von Stephen Jay Gould. Er hatte Krebs. Eine besonders schlimme Art, die man nicht lange überlebt. Die meisten zumindest. Stephen sah sich die Statistiken an. Schon die Hälfte ist bereits nach 8 Monaten tot. Nur sehr wenige überleben mehrere Jahre. Stephen beschloss, zu denen zu gehören. Gelang ihm. Er lebte noch mehr als 10 Jahre.