Quacksilber

Schneide Säulen nicht die Füße ab

Kuck mal. Temperatur. In Paris. Der Sommer ist vorbei.

Wetter-App von Meteo France
Quelle: Wetter-App von Meteo France.

Hab mich erst gefreut. Über das Wolkenglühen. Und über Punktsäulen (Williams Dot Plots*). Dachte, die wären sogar logarithmisch. Sind sie aber nicht.

So hätten sie mit Null ausgesehen.

Punktsäulen (Dot Plots) logarithmisch mit Null (Quelle: DeltaMaster)
Punktsäulen (Dot Plots) logarithmisch mit Null. Quelle: DeltaMaster.

Und so hätten sie ausgesehen von Min bis Max. Also abgeschnitten. Abschneiden erlaubt.

Punktsäulen (Dot Plots) logarithmisch Min bis Max (Quelle: DeltaMaster)
Punktsäulen (Dot Plots) logarithmisch Min bis Max. Quelle: DeltaMaster.

Sie sehen aber so aus. Abgeschnitten. Abschneiden verboten.

temperatur_paris_abgeschnitten

Hm. Die spinnen, die Meteoten.

* Cleveland, W. S., The Elements of Graphing Data, Murray Hill 1994.

Kopfschmerzen

Quetsche Säulen nicht die Köpfe

Du darfst Säulen nicht die Füße abschneiden. Auf den Kopf hauen auch nicht. Schau mal.

Proportions of Youngsters with Accidents During Their First Year of Driving. Quelle: Hans Zeisel, Say it with figures, New York u. a. 1985, Seite 128.
Quelle: Hans Zeisel, Say it with figures, New York u. a. 1985, Seite 128.

Sollte eine Füllsäule werden. So ist es nur lustig. Hat Hans gemalt. Sein Buch ist toll. Seine Grafiken nicht so. Eigentlich soll ich 5 Prozent und 8 Prozent verstehen. Hab stattdessen über den Quetschkopf nachgedacht.

Automurks mit Excel 2013

Schneide Säulen nicht die Füße ab

Bei der letzten Version hat er geschimpft. Bei der aktuellen mache ich es. Excel 2013 hat einen schlimmen Fehler. Wie alle Excels vorher. Im Diagrammassistenten. Der schneidet Säulen und Balken die Füße ab. Automatisch. Wenn Werte eng zusammen liegen. Das ist gegen mein Proportionalitätsgesetz.

Achsenoptionen in Microsoft Excel 2013

Deshalb: Schau genau hin. Stell die Achse richtig ein. Bloß nicht automatisch.

Auf einem Bein kann man nicht stehen

Säulen nie einsam

Vodafone hat ihre Töchter verglichen. Wie schnell sie gewachsen sind. In den Regionen der Welt. In USA wohnt nur eine Tochter. Sie wurde trotzdem verglichen. Womit eigentlich? Sieht ziemlich lustig aus. Solosäule.

Umsatzwachstum Geschäftsjahr 2008/2009 (links) und 2009/2010 (rechts).
Quelle:
Vodafone Group Plc Annual Reports 31 March 2009, Seite 11, bzw. 31 March 2010, Seite 11.

Verstehe schon: Der Grafiker war in Not. Alles sollte einheitlich aussehen. Was kann man tun? Global skalieren. Dann stimmt es wieder. Und eine Säule ist allein, aber nicht mehr einsam.

Im Geschäftsbericht 2010/2011 keine einsamen Säulen mehr, aber lustige Anregungen. Schreib dahinter, ob es „growth“ oder „decrease“ war. Schon bist Du nirgends minus.

Flaggen-Origami

Säulen nicht beschneiden

Die Financial Times hat Flaggen gefaltet. Zu Häusle. Auseinandergeschnitten. Und verzerrt. Total. 11 ist fast so groß wie 22. Das mit den Flaggen ist gemein. Das mit der Skalierung gemeiner. Die Grafik ist schlecht und stimmen tut auch nichts. Auch gute Zeitungen muss man kritisch lesen. Man darf nicht blind vertrauen. Keiner Quelle. Egal, wie berühmt. Nicht mal mir.

Quelle: Financial Times, 11.12.2009, Seite 17

Quelle: Financial Times, 11.12.2009, Seite 17.

Kollapsteralschaden

Schneide Säulen nicht die Füße ab

Die Steuereinnahmen kollabieren. Sagt das Handelsblatt. Er findet, 9 Prozent Minus und Kollaps passen nicht zusammen. Ich hab den Artikel auch gelesen. Und wär fast kollabiert.

Deutungspriorität nicht verstanden. Noch mal: Bei Säulen interpretiert man die Längenunterschiede als Wertunterschiede. Darum: nicht abschneiden. Oder: Linien statt Säulen nehmen.

Hat das Handelsblatt nicht gemacht. Siehe links. Müsste es aber. Siehe rechts.

Zenit überschritten - Steuereinnahmen in Mrd. Euro. Quelle: Handelsblatt Nr. 131 vom 13.07.2009, S. 3
Quelle: Handelsblatt, Nr. 131, 13.07.2009, Seite 3. Redesign: ich.

Jetzt war ich ein bisserl misstrauisch und habe die Quelle nachgeschaut. Dort gibt es zwei Schätzungen mehr. Hm.

Grafik aus dem Handelsblatt Nr. 131 vom 13.07.2009, S. 3, erweitert um die Schätzwerte für 2012 und 2013
Redesign: ich.

Das Papier war zu kurz

Linien können Säulen sein

Linien ohne Nullpunkt können okay sein. Säulen nicht. Überraschung: Diese Linien enden in einer Säule. Wegen der Kästen und der Seitenlinie.

Angie, Guido, Kurt, Erwin und Oskar
Quelle: Focus, Nr. 20/2008, 10.05.2008, Seite 16.

Drum gilt hier, was für Säulen gilt. Das Proportionalitätsgesetz. Also: Mehr als 70 Prozent der Bürger sind zufrieden mit Angela. Mit Guido 39. Mit Oskar 19. Der Helmut vom Focus mag die Angela. Sehr. Drum sind im Focus 71 geteilt durch 19 nicht 3,7, sondern 6,7. Die 19 Prozent vom Oskar sind 1 cm von der Nulllinie entfernt. Wenn es richtig gemalt wäre, dann wären Angelas 71 Prozent bei 3,7 cm auf der Skala. Sind sie aber nicht. Sind bei 6,7 cm. Übertreibung um den Faktor 1,8. Also fast doppelt falsch. Wenn das Papier zu kurz ist, darf man verkleinern. Abschneiden darf man hier nicht.

Komisch auch die Beschriftung. Neben dem Guido steht nichts. Neben dem Kurt steht Guido. Neben dem Erwin Oskar. Neben dem Oskar Erwin.

Die gute alte Zeit

Schneide Säulen nicht die Füße ab

Wegen Excel schneiden viele ihren Säulen die Füße ab. Und landen in der Grafikhölle. Denn wer schneidet, verzerrt. Wer verzerrt, lügt. Zumindest grafisch. Weil dann die grafische Veränderung nicht mehr proportional zur Wertveränderung ist. Er erklärt das ganz gut anhand eines grafischen Totalschadens in der SportAuto. Ich habe heute ein Beispiel, wie es richtig geht. Aus der Zeit. Die auch manchmal daneben langt.

Die Post streikt – gute Grafiken
Quelle: Die ZEIT, 30.04.2008, Seite 37

Alle meine Regeln sind eingehalten: Zeit läuft von links nach rechts. Die Skala beginnt bei Null. Die Grafik ist proportional zu den Werten. Nichts ist dramatisiert. Kein Schnickschnack. Kein siebenfaches Prozentzeichen. Briefe in Milliarden und nicht in Stück.

In der gleichen Ausgabe noch eine gute Grafik. Strukturen von oben nach unten. Beschriftung, wo sie hingehört: direkt an den Säulen. Zumindest für die Werte. Die „anderen“ hätte ich weggelassen. Die Pünktchen auch.

Die Nachfrage steigt – noch eine gute Grafik
Quelle: Die ZEIT, 30.04.2008, Seite 78.

Übrigens: Bei Liniengrafiken ist alles anders.